Text
Text
Text
Text

Das Abendland

(Deutsche Erstaufführung)
Schauspiel von Julie Maj Jakobsen

Termine

  • 05.12.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • entfällt
  • 08.01.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 17.01.2021 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 06.02.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 25.02.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen

Eine Autobahn-Cafeteria irgendwo an einer Grenze in Europa. Ein belgisches Ehepaar auf dem Weg nach Schweden, um das neugeborene Enkelkind zu besuchen. Ein lettischer LKW-Fahrer hat angehalten, um auf die Toilette zu gehen. Ein Geschäftsmann auf dem Weg nach Berlin will Kaffee trinken. Plötzlich steht eine syrische Frau im Raum, und draußen auf dem Parkplatz sammeln sich immer mehr Flüchtlinge. Die Türen werden geschlossen, um den Flüchtlingsstrom draußen zu halten und die Cafeteria wird zum Schauplatz für ein existenzielles Drama darüber, wohin sich Europa bewegt. Julie Maj Jakobsen wurde für ihr Stuck als beste Dramatikerin des Jahres 2018 in Dänemark ausgezeichnet. Die Begründung der Jury: „Das Abendland vereint Poesie, Verzweiflung, Gewalt, Mitgefühl, Angst und Ohnmacht in der Konfrontation zwischen uns auf der richtigen Seite der Glastüren und den Flüchtlingen, die draußen auf der anderen Seite stehen.“

Programmheft online lesen

Programmheft als pdf zum Download

Audio-Werkeinführung

Am 5.10.2020 findet um 18.00 Uhr im Stralsunder Rathaus (Löwscher Saal) ein Nachgespräch mit dem Regisseur Dirk Löschner, Dramaturg Oliver Lisewski und Mitgliedern des Schauspielensembles statt.

Anmeldung: ASchmuck@stralsund.de oder h.haase@theater-vorpommern.de

Text

PRESSESTIMMEN

Was ist aus dem Traum von Europa geworden?

von Annemarie Bierstedt

18. September 2020. Wenn eine dänische Autorin ein Schauspiel über Geflüchtete schreibt und ein deutsches Theater dies inszeniert, könnte man skeptisch kulturelle Aneignung vermuten. Erst kürzlich löste "American Dirt" der US-Autorin Jeanine Cummins eine Debatte darüber aus, ob eine weiße Amerikanerin aus der Sicht einer Mexikanerin einen Roman über deren illegale Flucht in die USA schreiben darf. "Das Abendland" der dänischen Dramaturgin Julie Maj Jakobsen will gar nicht das Leid der Geflüchteten aus deren Perspektive erzählen. Stattdessen arbeitet es sich raffiniert und klug daran ab, was die Flüchtlingskrise mit uns Europäer*innen macht. Wo liegt unsere Verantwortung für uns selbst und untereinander? Wo bestehen Defizite? Was definiert Europas Identität? Und was ist aus dem Traum von Europa geworden?

Groteske Banalität, die bis ins Mark ergreift

Dirk Löschner, noch bis 2021 Intendant des Theaters Vorpommerns, hat nun die deutsche Erstaufführung des 2018 im dänischen Aalborg uraufgeführten Stücks inszeniert, für das die Autorin im selben Jahr als beste Dramatikerin ausgezeichnet wurde. Dass sowohl die Premiere als auch die Darbietung am darauffolgenden Tag im Großen Haus in Stralsund ausverkauft sind, untermauert die Brisanz des Stücks. Auch wenn unter Corona-Bedingungen die Anzahl der Sitzplätze auf etwa ein Drittel reduziert werden musste. Auf der hinteren Drehbühne von Giovanni de Paulis kreist in einem käfigähnlichen Labyrinth ein Tyrannosaurus rex als Symbolbild des Minotauros, Nachfahre der Europa in der griechischen Mythologie. Der abstrakte Bühnenraum ist bis auf ein paar Stühle leer. Keine Requisiten, nichts Konkretes. Das braucht Jakobsens Stück, das vom erzählerischen Beschreiben lebt, nicht.

Auch Löschners Inszenierung kann den Betrachtenden gerade auch aufgrund der imaginierten Bilder mitreißen. Die absurd-komische und so traurige Erzählung spielt in einer Autobahn-Cafeteria irgendwo an einer Grenze in Europa. Das Tragische und zugleich das Potential, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, besteht darin, dass das Drama die persönlichen, oft von Konsum pervertierten Lebensgeschichten der Europäer*innen fokussiert, deren groteske Banalität den Zuschauenden vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise bis ins Mark ergreift. Nein, zum Glück ist Jakobsens Stück keine Gefühlspornografie aus der Tragödie anderer und Löschners eineinhalbstündige Inszenierung ist es auch nicht.

Alle sind sie müde Einzelkämpfer

Der Regisseur übernimmt den Originaltext und kürzt das ursprünglich für März 2020 geplante Stück um etwa 45 Minuten, damit es ohne Pause Corona-tauglich wird. Statt der 18 manchmal ineinander überfließenden Rollen spielen die sieben Schauspieler nur elf. Fesselnd sprechen und verkörpern die Darstellenden Figuren im Ringen mit sich selbst. Der Mitarbeiter (Felix Meusel) mit unsicherer Geschlechtsidentität hat nie eine dauerhafte Beziehung gehabt. Claudia Lüftenegger und Markus Voigt kämpfen als belgisches Ehepaar neben dem Bankrott mit dem Zerbrechen der Ehe. Während der lettische LKW-Fahrer von einem besseren Leben träumt, prahlt ein Geschäftsmann von der Fusion seiner Firma. Ein jeder ist müder Einzelkämpfer. Statt eines Gemeinschaftsgefühls herrscht Misstrauen. Als eine syrische Frau eintritt, sich immer mehr Flüchtlinge vor der Cafeteria versammeln, kulminiert der Konflikt im Verriegeln der Türen vor denen da draußen. Ein gestörtes System macht bei anhaltender Überforderung dicht.

Als syrische Frau, die sich neben die Leiche ihrer ertrunkenen Tochter kauert, um sich im nächsten Moment schreiend gegen die brutalen Wachmänner zu wehren, hat Annett Kruschke eine enorme Körperlichkeit. Als Wachmann und lettischer LKW-Fahrer mit Cowboystiefeln stellt Niklas Krajewski sehr überzeugend all jene dar, die sich außen vor fühlen und als Hüter des Abendlandes inszenieren: "Jetzt verpisst euch, ihr Schmarotzer. Wir verteidigen das, was uns gehört." Hut ab vor Feline Zimmermann, die sich aufgrund des grauenvollen Ekels mit heruntergelassenen Nylonstrümpfen auf der Bühne einen (gespielten) Durchfall abringen muss.

Sebastian Undisz Klaviersolo und die fünf Chöre verschiedenster europäischer Länder wie "Laila Laila" aus Tschechien und "Jetzt fahr'n wir über'n See" haben Singspielcharakter und doch rühren sie, teils Hoffnung verströmend, am Emotionalen. Das berührende Stück findet kein befriedigendes Deutungsnarrativ für ein künftiges Europa, aber es konfrontiert mit dem ohnmächtigen Agieren der Europäer*innen für mehr Menschlichkeit. "Frieden. Und sehe vor mir ein Bett. Einen Tisch", wünschst sich die syrische Frau. Eigentlich wollen doch alle das gleiche, oder nicht? Maliziös ertönen am Ende "I want a dog" von Hobo Johnson und anschließend langer Applaus.

Nachtkritik.de, 19.09.2020

Europas Seele suchen

von Antonia Ruhl

https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/europas-seele-suchen

Wohin nur ist sie entflohen, die Seele Europas? Woran könnte man sie überhaupt erkennen, würde man sich auf „Schatzsuche“ begeben, wie es bei Julie Maj Jakobsen heißt? Nicht davon aber handelt das preisgekrönte Stück der dänischen Dramatikerin, sondern von der Verweigerung – der Suche, des Diskurses, der Auseinandersetzung mit dem Anderen. Gänzlich unpathetisch kommt ihre theatrale Bestandsaufnahme daher, die den Diskurs auf die Metaebene verlagert. Schon der Stücktitel deutet auf eine kritische europäische Innenschau hin: „Aftenlandet“, zu Deutsch: „Das Abendland“.

In der Autobahncafeteria „GET IN“, einem Nicht-Ort „irgendwo in Europa“, gehen Durchreisende in aller Herrgottsfrühe ein und aus. Zum Teil sind sie in ein grausames Geschehen der vergangenen Nacht verwickelt, von dem Rückblenden künden und in dessen Zentrum eine syrische Frau steht. Sie wurde zum Verlassen des Flucht-LKWs gezwungen und später von einer Grenzpatrouille brutal zusammengeschlagen. Als vor der Raststätte wie aus dem Nichts immer mehr fremdwirkende Menschen auftauchen, werden die innen Sitzenden zu einer ungewollten, uneinigen Schicksalsgemeinschaft: Sie schließen die Glastüren ab. Die draußen bleiben draußen, die drinnen drinnen.

Abschottungsbestreben und Hilflosigkeit der europäischen Flüchtlingspolitik werden hier geradezu paradigmatisch ins Bild gebracht. 2017 im dänischen Aalborg uraufgeführt, beweist das Stück zum Zeitpunkt seiner – aus der letzten Spielzeit nachgeholten – deutschen Erstaufführung am Theater Vorpommern leider immer noch dramatische Aktualität. Unter der Regie von Intendant Dirk Löschner wird das knapp 90seitige Manuskript zu einem anderthalbstündigen Abend in der pandemiebedingt vereinzelt besetzten Stralsunder Spielstätte. Den Bühnenraum füllen labyrinthartige Versatzstücke aus Maschendrahtzaun, in der Mitte thront sprungbereit ein riesiger Dinosaurier mit halb geöffnetem Maul (Ausstattung: Giovanni de Paulis). Die Vorderbühne besteht neben einer Einsenkung für Sebastian Undisz‘ Live-Musik aus einer wie marmornen schrägen Platte mit sechs Stühlen. Da könnte man sich jetzt hinsetzen und konzentriert überlegen, was zu tun ist.

Dazu kommt es nicht. Denn die Figuren sind mit ihren privaten Verstrickungen befasst, stehen, sich selbst und einander fremd, fast alle vor dem Existenz- oder Liebesaus. Wollen eigennützig retten, was zu retten ist. Da ist der ältere belgische Mann, der seiner Frau sagen muss, dass die Firma bankrott und das Haus verkauft ist. Die wiederum (in Stralsund pelzbehängt und stark geschminkt) quält die Reue, den Sohn vernachlässigt zu haben. Der Geschäftsmann hofft, das beste Geschäft seines Lebens zu machen, und geht als unberührter Gewinner aus den Ereignissen hervor. Die beiden Grenzwachmänner sind sich über den nächtlichen Gewaltausbruch gegen die syrische Frau uneins, für den einen war er berechtigter „Widerstand“, dem anderen ging er „zu weit“. Und der lettische Fahrer des Schlepper-LKWs sieht sich, erst latent und später offen aggressiv, als vom Leben Benachteiligter im Recht. Und schließlich ist da der etwas verlorene trans* Tankstellenmitarbeiter, der sich der Menschen draußen annehmen will, aber gegen die neue Kollegin keine Chance hat.

Die insgesamt 14 Figuren werden von sieben Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert. Felix Meusel, Feline Zimmermann, Annett Kruschke, Claudia Lüftenegger, Markus Voigt, Niklas Krajewski und Jan Bernhardt stellen sich dabei der Herausforderung, trotz der in verfremdender Manier permanent mitgesprochenen Regieanweisungen eine Spieldynamik zu entwickeln. Durch die Einhaltung der Abstandsregeln noch erschwert, kann dies bis zu einem gewissen Grad gut gelingen. Klarheit verschafft dabei der Wechsel der Lichtstimmungen. Dass die Lebensgeschichten parallel und gegeneinander erzählt werden und ständig wie in aller Munde sind, hat dazu den schönen Effekt, dass alle als nur von anderen Beschriebene dastehen und Rollenzuweisungen offensichtlich werden. So sehr die detailliert ausgearbeiteten Figuren der Beliebigkeit entgehen, haben sie das Potenzial zum Typischen.

Die Tendenz zum Statischen, Unbeweglichen, das ja schon Thema des Stücks ist, wird immer wieder durch Momente spielerischer Kraft durchbrochen. Grundsätzlich verleiht dem unterdrückten, ins Draußen verwiesenen Dramatischen nur die musikalische Begleitung Ausdruck. Undisz‘ Klavierimprovisationen klingen mal zart, mal bedrohlich und integrieren zahlreiche einschlägige Motive. Immer wieder findet sich das Ensemble auf der Bühne zusammen und stellt sein sängerisches Können unter Beweis. Besonders die Darstellerinnen tun sich beim Performen der herzzerreißend schönen Lieder hervor, die etwa der tschechischen, schwedischen, griechischen und mazedonischen Folklore entstammen. Das Bedürfnis nach einem kleinen utopischen Wink ist verständlich, nichtsdestotrotz wirken diese Chöre der Gemeinschaftlichkeit wie aus dem Stück gefallen. Denn das jeweils Andere, das ja notwendig Teil einer wirklichen Gemeinschaft wäre, findet erst gar nicht statt. Es steht als vermeintliche Bedrohung vor der Tür.

Beständig umkreist der Abend den schmerzlichen Mangel an der Sichtbarkeit des Anderen. Als einzige geflüchtete Person von „draußen“ kommt die syrische Frau zu Wort, die daheim und auf der Flucht traumatische Verluste erlitten hat, deren Stimme aber ungehört bleibt. Die durch die Mitspieler formulierten Regieanweisungen offenbaren das Machtgefälle; sie wirken hier wie Befehle, denen die Schauspielerin Annett Kruschke bis zum Schluss eine beeindruckende Widerständigkeit entgegensetzt. Und die drinnen? Tun, was ihnen zu tun übrigbleibt: Sie warten. Darauf, dass die Menschenmenge sich von alleine entfernt wie eine Regenwolke, die vorüberzieht. Und obwohl die Situation in der Cafeteria trotzdem implodiert, ist der Tankstellen-Alltag bald schon wiederhergestellt.

Dass der Abend das Andere gerade durch die Verdrängung von der Szene thematisiert, ließe den Vorwurf einer eurozentristischen Perspektive ins Leere laufen. Natürlich muss er schlussendlich unbefriedigend bleiben; denn an der Angst vor dem Unbekannten nimmt nicht nur Europas Seele, sondern auch das Theater Schaden. Das konsequent zu zeigen, ist das Verdienst der stringenten Regie Löschners und seines konzentrierten Ensembles. Dringlich wären nun aber auch konkrete Ideen, die in der Bühnenwirklichkeit erstmals umgesetzt würden. Oder Gedanken zu repräsentationssensiblen Fragen, die das Stück schon mal vorformuliert: „Wie vermeidet man, aus der Tragödie anderer Gefühlsporno zu machen?“

die-deutsche-buehne.de 19.09.2020

Brandaktuell: „Das Abendland“

von Reinhard Amler

Das Theater Vorpommern ist im wahrsten Sinne des Wortes brandaktuell. Denn mit der deutschen Erstaufführung von „Das Abendland“ der dänischen Autorin Julie Maj Jakobsen hat es die Geschehnisse rund um das griechische Flüchtlingslager Moria jetzt auf die Bühne geholt. Der Zeitpunkt ist allerdings dem Zufall geschuldet, denn eigentlich sollte das Stück bereits im Frühjahr Premiere haben. Aber wegen Corona musste diese abgesagt werden.

„Mir ging es bei der Inszenierung nicht darum, die Situation der Flüchtlinge zu beschreiben“, sagt Intendant Dirk Löschner. „Das hätte ich gar nicht gekonnt und das wäre sogar ein Ausschlusskriterium gewesen. Ich will vielmehr zeigen, was diese Flüchtlingskrise aus uns macht. Wie sie auf uns wirkt.“ Und genau das zeigt er auf sehr ernüchternde, teils schonungslose Weise auf. Immer vor dem Hintergrund, dass sich Moria angesichts vieler überfüllter Lager an den europäischen Außengrenzen täglich wiederholen kann.

Dafür steht auch das Bühnenbild von Giovanni de Paulis: Hinter einem Labyrinth aus Eisengittern ragt ein riesiger Dinosaurier in den Zuschauerraum hinein. Er wirkt wie ein Ungeheuer. Und das Publikum ist gezwungen, dies neunzig Minuten lang anzustarren.

Als Spielort hat Julie Maj Jakobsen eine Autobahnraststätte ausgewählt. Einen Ort also, wohin naturgemäß unterschiedlichste Menschen kommen. Bei ihr ist es auch ein belgisches Ehepaar, das auf dem Weg nach Schweden ist, wo es das kürzlich geborene Enkelkind besuchen will. Das Paar trifft in der Caféteria auf einen lettischen Kraftfahrer, der die Toilette aufsuchen will und auf einen deutschen Geschäftsmann, der schnell nur einen Kaffee trinken möchte.

Plötzlich aber steht eine syrische Frau inmitten der Gäste und vor der Raststätte versammeln sich viele Menschen. Es werden immer mehr. Sie besetzen Fahrbahnen und Parkplätze. Es sind Flüchtlinge, die in der Novemberkälte ausharren. Niemand weiß, wie man ihnen begegnen soll. Der Raststättenchef ist hilflos. Er schließt alle Türen. „Keiner soll rein, keiner soll raus“, sagt er. Selbst das Rausschauen will er unterbinden. Aber das tun die Gäste ohnehin kaum, weil sie mit sich selbst beschäftigt sind. „Was glauben sie wohl, wie lange das hier noch dauert“, fragt die belgische Frau. Dabei schimpft sie mit ihrem Mann, der sich das Hemd mit Kaffee bekleckert hat.

Am Ende löst sich der Flüchtlingsstrom vor der Raststätte wieder auf. Alles scheint wie vorher. Das Leben geht wieder seinen gewohnten Gang. Aber ist es wirklich so? Natürlich nicht.

Löschner redet da schon mal Klartext. Er spricht von einer Lebenslüge, die sich Europa auferlegt hat. Damit meint er die Tatenlosigkeit und zunehmende Verdrängung des Problems in der Politik. Selbst am Theater, sagt er, hätte es bei der Erarbeitung des Spielplanes Anfang 2019 auch Stimmen gegeben, die gemeint hätten, das Flüchtlingsthema sei durch. Welch ein Irrtum…

Nach Vorstellungsende gab es jedenfalls lang anhaltenden Applaus. Er galt zuvorderst natürlich den fünf Schauspielerinnen und Schauspielern, die mit Leidenschaft und Engagement gleich mehrere Rollen auszufüllen haben. Und das in völlig ungewohnter Spielweise. Dem eigentlichen Text wird nämlich immer eine Erklärung vorangestellt, was auf der Bühne gerade passiert oder passieren soll. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, das Ganze wäre eine Vorstellung für Sehbehinderte. Also für die Verantwortlichen in der Politik???

Die nächsten Vorstellungen sind am 27.September , 16. Oktober und am 8.Januar in Stralsund und am 3. Oktober (Premiere), am 18. Oktober , am 8. November , 5. Dezember und 17. Januar in Greifswald.

Am 5. Oktober um 18 Uhr findet im Rathaus in Stralsund zum Stück eine Diskussionsrunde mit dem Produktionsteam statt.

Ostsee-Zeitung, 21.09.2020