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Dido and Aeneas

Oper in drei Akten von Henry Purcell
Libretto von Nahum Tate nach dem Epos "Aeneis" von Vergil

in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Termine

  • 13.12.2020 16:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • entfällt
  • 29.12.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • 19.00 Uhr Einführung im Foyer
    anschließend Nachgespräch SENF DAZUGEBEN im Foyer
  • Karten kaufen
  • 10.01.2021 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 29.01.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 25.02.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen

Was gibt es Schöneres als eine Liebe, die von beiden Seiten erwidert wird? Und doch ist das Glück nicht perfekt: Auf seiner Flucht aus dem brennenden Troja strandet Aeneas an der Küste von Karthago, wo ihn Dido, die Königin des Reiches, gastlich aufnimmt. Dido und Aeneas verlieben sich unsterblich ineinander, das Volk begrüßt die Verbindung zwischen beiden Monarchen. Doch Didos Widersacherin, eine böse Zauberin, schmiedet gemeinsam mit den Hexen düstere Pläne, um die Liebe zwischen den beiden zu zerschmettern. Sie schickt Aeneas einen Geist, der ihn eindringlich daran erinnert, dass er eine Mission zu erfüllen hat: ein neues Troja zu gründen. Doch dafür müsste er Karthago verlassen und seiner großen Liebe entsagen …
Besondere Situationen erfordern besondere Entscheidungen – und so bietet diese wunderbare Barockoper einzigartige Möglichkeiten, nicht nur den aktuellen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, sondern einmal vom „normalen“ Repertoire abzuweichen. Henry Purcells Meisterwerk besticht durch seine facettenreiche Darstellung menschlicher Leidenschaften und Affekte, die tragische Liebesgeschichte eindrucksvoll zu schildern – ein Meilenstein in der Entwicklung des Genres in England.

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PRESSESTIMMEN

Mit Abstand: Starke Premiere

von Annemarie Bierstedt

Wer würde im 21. Jahrhundert noch aus Liebe sterben? Dido in Henry Pucells 1688 oder 1689 in London uraufgeführten Barockoper wählt den Tod, als ihr geliebter Aeneas sie für die Pflicht verlassen will. Auch der junge Werther stürzte sich in den Selbstmord. Heute würde man wohl eher zum Therapeuten gehen. Denn laut der Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim ist die individuelle Liebe stark von der Gesellschaft geprägt.

"Dido and Aeneas" zählt heute zu den meist aufgeführten Opern des 17. Jahrhunderts. Als erstes Singspiel am Theater Vorpommern seit Corona feierte diese am Samstagabend im ausverkauften Theater Stralsund Premiere. Coronabedingt geht es anders zu: Nur ein Drittel der Plätze können besetzt werden, höchstens zwei Haushalte dürfen zusammensitzen. Die Mund-Nasen-Maske darf nur am Platz abgenommen werden. Das Philharmonische Orchester ist auf der Bühne, nicht wie sonst im Orchestergraben, platziert. Die emporeähnliche Brücke auf der Vorbühne soll als sparsames Bühnenbild mehr Raum für das Opernensemble bieten.

Beim Singen muss ein Abstand von drei Metern, sonst von 1,50 Metern gewährleistet sein. Typisch barocke Tänze oder Körperkontakt sind Tabu, Bewegungswechsel nur eingeschränkt erlaubt. Statt des 23-köpfigen Opernchors treten zwei achtköpfige, szenisch voneinander getrennte Chöre, ein Hof- und ein Hexenchor, auf.

„Die Organisation war sehr herausfordernd und für den Chor anstrengend, weil alle solistisch singen müssen, aber für den Klang zuträglich. Alles klingt sehr filigran“, berichtet Intendant und Regisseur Dirk Löschner. Die Maßnahmen sind nicht zum Nachteil: So wie der englische Komponist Purcell das Geheimnis kannte, Dichtung und Musik auf zauberhafte Weise zu verbinden, wusste auch Löschners Inszenierung zu fesseln.

Das einstündige Stück beginnt mit farbig-barocken Streicherklängen unter der musikalischen Leitung von Florian Csizmadia. In opulent-überspitzten Barockkostümen und Perücken von Christopher Melching betreten die Hofgesellschaft und die Protagonistin Dido mit viel Abstand zueinander die Bühne. Mit welch großartiger Sopranstimme Nina-Maria Fischer die Dido singt! Temperamentvoll und doch empfindsam verkörpert sie das Schicksal einer starken Frau, die Opfer ihrer starken Gefühle wird. Damit wird sie der Verschiebung des Fokus von Aeneas zur karthagischen Königin gerecht, wie es Purcells Oper mit einem Libretto von Nahum Tate vorsieht, das sich wesentlich von der Vergil`schen Vorlage des Epos „Aeneis“ von 19 v. Chr. unterscheidet.

In der dreiaktigen Purcell-Oper beginnt die Tragödie, nachdem sich Dido und Aeneas ineinander verliebt haben. Um die Liebe beider zu zerstören, erinnern die böse Zauberin und die Hexen Aeneas in einer Verschwörung an seinen göttlichen Auftrag, ein neues Troja zu gründen. Der Gequälte plant, Karthago zu verlassen. Von Dido als Zeichen seiner Treulosigkeit wahrgenommen, geht sie ihren eigenen Weg in den Tod, wovon auch Aeneas Reue sie nicht abbringen kann. „Alles, was gut ist, hast du betrogen“, singt Fischer.

Bildhaft und emotionsgeladen entspinnt sich die Tragödie zwischen ihr und Maciej Kozlowski als Aeneas auf der Brücke als zweiter Dimension. „Das Autonome, das Stehen zu den eigenen Entscheidungen wird in der Figur der Dido unheimlich stark und toll dargestellt“, erzählt Löschner.

Der Regisseur übernahm Tates Libretto in englischer Sprache mit deutschem Übertitel. Er fügte nur als Arie den „Cold Song“ von King Arthur für den Geist hinzu, den der Countertenor Nils Wanderer schön, fast überirdisch vertont. Auch die mit sehr viel Liebe zum Detail kostümierten Hexen und die als Transvestit an Conchita Wurst erinnernde Zauberin, die der Countertenor Konstantin Derri düster-lasziv darstellt, machen Spaß. Dass es sich lohnt, diese Aufführung zu erleben, zeigt auch der tosende Applaus des Publikums. „Endlich wieder Theater! Es war wunderbar, die Maßnahmen wurden gut umgesetzt“, freut sich eine Stralsunder Zuschauerin.

 Ostsee-Zeitung, 31.08.2020

Gefühlsgeladener Opernabend mit Henry Purcell

von Ekkehard Ochs

Am 29. August in Stralsund, vorgestern nun auch in Greifswald: Henry Purcells 1689 erstmals mit einer Aufführung belegte Oper „Dido and Aeneas“ am Theater Vorpommern. Schnell vergessen und erst rund 200 Jahre später wiederentdeckt, erwies sich das Werk in Inszenierung (Dirk Löschner), Bühne und Kostüm (Christopher Melching), Dramaturgie (Stephanie Langenberg) und Musikalischer Leitung (GMD Florian Csizmadia) erneut als großes Theater. Es verbindet antike Schicksalsdramatik (Vergil) mit handfestem, phantasievollem Bühnenspektakel, konfrontiert die Welt edlen, natürlich göttergesteuerten Menschentums mit der des Bösen, mit Geistern und Hexen. Ausgang tragisch. Bühne und Kostüme sind richtige Hingucker, die Personenführung geizt nicht mit einfallsreicher, spielfreudiger Turbulenz. Sollte man gesehen haben!

Und gehört sowieso. Purcell ist Ausdrucksmusiker vom Feinsten. Seine Rezitative, Arien und Chöre gehen unter die Haut, präsentieren auch im schlichtesten Gewande und mit aller Ambivalenz eine Welt großer, durchaus konträrer Gefühle. Heftiger Beifall nach 60 faszinierenden Minuten war deshalb höchst verdient. Man kann hier eben auch Purcell!

Starke Stimmen etwa bei der berührend agierenden Pihla Terttunen (Dido), dem (leider) wenig beschäftigten Semjon Bulinsky (Aeneas), Franziska Ringe (Belinda) und Adelya Zabarova (Zweite Frau). Nahezu sensationell die Countertenöre Konstantin Derri (Zauberin) und Nils Wanderer (Geist)! Die Chöre (Mauro Fabbri, Doris Vetter) – wie immer – vorzüglich, die Streicher-Kammerbesetzung der Philharmoniker (ohne Kontrabass, aber mit Laute) auf der Höhe des Erforderlichen - mit etwas Luft nach oben beim prägnanter vorstellbaren Zugriff auf die doch ungemein gefühlsgeladene Musik. Sicherer Chef am Cembalo: GMD Florian Csizmadia. Ein starker Abend!

Ostsee-Zeitung, 28.09.2020