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Nora

Schauspiel von Henrik Ibsen

Termine

  • 05.12.2020 19:37 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • entfällt
  • 19.12.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • entfällt
  • 15.01.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 06.02.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen

Kindisch, launisch, verschwenderisch — so sieht der Rechtsanwalt Helmer seine Frau Nora, für die er ein „Puppenheim“ eingerichtet hat. So soll sie denn auch ihre Rolle spielen — als sein „Eichkätzchen“, seine „Lerche“, sein hübsches Spielzeug — ohne je mündig an seiner Seite zu werden. Nora hilft sich mit Lügen, wo sie kann. Sie ist stolz darauf, dass sie einmal heimlich durch eine Unterschriftsfälschung das Geld beschafft hat, um ihrem kranken Mann zu helfen. Doch Helmer dankt es ihr nicht, fürchtet vielmehr sofort um seinen Ruf …
Ibsens „Nora“ ist ein Meisterwerk der Dramaturgie, seine Hauptfigur eine der wirksamsten Frauengestalten der dramatischen Literatur. Auch nach 140 Jahren ist die psychologisch so glaubwürdige Darstellung einer rigorosen Emanzipation für viele eine Provokation. Wie stellen sich aber heute, nachdem diese Gegend einmal Vollbeschäftigung bei Frauen zu bieten hatte, die „neuen“ Familienkonstellationen dar? Was sind die Kämpfe der Noras von heute? Welche Puppenstuben-Zumutungen hält die neue Oberschicht bereit? Oberspielleiter Reinhard Göber widmet sich nach „Hedda Gabler“ und „Ein Volksfeind“ erneut einer starken Ibsen-Figur und ihren Kämpfen unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts.

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Audio Werkeinführung "Nora"

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PRESSESTIMME

Krasse Premiere für Henrik Ibsens Drama „Nora“

von Reinhard Amler

Regisseur Reinhard Göber bietet den rund 140 Jahre alten Stoff einer brüchigen Ehe derart aufpoliert an, dass man denken könnte, es sei ein gerade geschriebenes Stück. Denn auf der Bühne gibt es Techno-Musik, Feuerwerk, eine Laser-Show und ausgefallene Hippie-Kostüme. Und selbst der Einblick in das spannende Leben einer Influencerin fehlt nicht. Und dann fallen sogar noch alle Hüllen. Allerdings sind dabei nicht „Zwei Männer ganz nackt“ zu erleben, sondern nur einer.

Trotz dieser Einlagen, die man toll oder auch nicht gut finden kann, orientiert sich die Handlung sehr am Original des Norwegers Ibsen.

In „Nora“ geht es um ein Paar, das sich nach Jahren des Zusammenlebens trennt. Dabei überlässt die Ehefrau die Kinder dem Gatten, was im Erscheinungsjahr 1879 absolut nicht gesellschaftskonform war. Göber hat in seiner Inszenierung allerdings die Anzahl der drei Kinder auf eines beschränkt. Die Rolle der kleinen Emmy spielt seine Tochter Stella Michel. Und sie macht das richtig gut.

Kurz zum Inhalt: Die Geschichte dreht sich natürlich um Nora, die ihren alkoholsüchtigen Mann, der in der Staatskanzlei arbeitet, rettet. Dafür hat sie heimlich ein Darlehen aufgenommen, mit dem sie eine kostspielige Entziehungskur in Italien finanziert. Um ans Geld zu kommen, fälschte sie den Darlehensvertrag mit der Unterschrift ihres gerade verstorbenen Vaters. Das geborgte Geld arbeitet sie dann als Lifestyle-Bloggerin ab. Als ihr Mann Helmer das erfährt und der um seinen Ruf als angehender Bankdirektor fürchten muss, explodiert Noras Doppel-Leben.

Göber hat dies alles auch witzig in Szene gesetzt. Großes Lob deshalb an die fünf Schauspielerinnen und Schauspieler: Hubertus Brandt, der den Ehemann Helmer spielt , Friederike Serr, die die Nora verkörpert, Tobias Bode als Dr. Rank, Maria Steurich als Frau Linde und Mario Gremlich als Rechtsanwalt Krogstad. Auch das Bühnenbild von Stefan Heyne ist großartig. Es besteht aus zwei überdimensionierten Stühlen samt Tisch. Darauf steht ein Tannenbaum, unter dem Geschenke liegen. Wie im Original.

Auch wenn wegen der Pandemie nur gut 130 Leute im ausverkauften Theater saßen, der Applaus war trotzdem sehr kraftvoll. Ein Zeichen dafür, dass Göbers Inszenierung beim vom Alter her sehr gemischten Publikum offenbar gut ankam.

Die nächsten Vorstellungen sind am 3. Oktober in Stralsund (Premiere), am 18. Oktober (Stralsund) , am 29. Oktober (Putbus) und am 31. Oktober wieder in Greifswald.

Ostsee-Zeitung 16.09.2020