Text
Text
Text
Text
Text
Text

Winterreise

Liederzyklus von Franz Schubert nach Gedichten von Wilhelm Müller

Termine

  • 30.12.2020 19:30 Uhr Putbus Karten kaufen
  • 22.12.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 28.12.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 13.01.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 27.01.2021 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Schulvorstellung
  • 28.01.2021 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Kartenbestellung nur an den Theaterkassen
  • 05.03.2021 10:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Schulvorstellung

Einen „Zyklus schauerlicher Lieder“ hatte Franz Schubert seine „Winterreise“ genannt. Als er sie 1827 in kleinem Privatrahmen vorstellte, sah er sich einem verblüfften Freundeskreis gegenüber. Was sie erlebt hatten, war weit mehr als ein Liederabend, sie waren Zeugen eines großen musikalischen Abschieds geworden. Schubert hatte die von romantischem Weltschmerz geprägten Gedichte Wilhelm Müllers musikalisch auf eine neue gleichermaßen private wie existenzielle Ebene gehoben. Der Protagonist, ein ewiger Wanderer, verfolgt seinen einsamen Weg, getrieben von wechselnden Empfindungen wie Zorn, Resignation aber auch Gelassenheit und Einsicht. Das Ziel ist ungewiss, der Weg ist entscheidend.

Die „Winterreise“ ist in allen großen Konzertsälen der Welt zu Hause und doch verlangt es aufgrund der Intimität des Stoffes nach Nähe - nach einer Verbindung zwischen Ausführendem und Zuhörerin und Zuhörer. In einer gleichermaßen reduzierten wie atmosphärisch dichten Einrichtung wagt das Theater Vorpommern eine szenische Annäherung an dieses so zeitlose wie aktuelle Werk.

Programmheft online lesen

Programmheft als pdf zum Download

Audio-Werkeinführung

PRESSESTIMME

Schubert in Greifswald: Publikum feiert Bariton

Von Reinhard Amler

Musiktheater geht auch ohne große Besetzung. Das bewiesen Bariton Maciej Kozlowski und Pianist David Behnke am Freitagabend im Theater Greifswald mit ihrer Interpretation der „Winterreise“ von Franz Schubert.

Es war packend, authentisch, klangintensiv und ungemein bewegend, was die beiden da auf der Bühne anboten. Und dabei war es „nur“ ein Zyklus aus 24 aneinander gereihten Liedern, die zumeist traurigen Inhaltes waren. Aber wie Maciej Kozlowski Schuberts Ich, einen Wanderer, darstellte, war große Klasse. Immer wieder von sich selbst getrieben, voller Sehnsucht lässt er ihn, oft völlig verzweifelt, über die Bühne eilen, bevor er dann wieder angsterfüllt in einer Ecke kauert oder erschöpft am Boden liegt.

Die „Winterreise“ behandelt aktuellen Stoff, nämlich den von zunehmender Vereinsamung und der Suche des Menschen nach dem eigenen Ich. Dabei vollendete Schubert sein Werk, in dem er die Texte von Wilhelm Müller verwendete, schon 1827. Ein Jahr danach starb der Komponist mit nur 31 Jahren. Auch Wilhelm Müller wurde nur 33 Jahre alt.

Der erst 32-Jährige Maciej Kozlowski, der in Gdansk (Danzig) Gesang studiert hat, sagte vor der Premiere, dass er seine Interpretation der „Winterreise“ vorstelle. Und die sei eben anders, als würde sie ein gestandener Mann über 50 interpretieren, ergänzte ihn Dirk Löschner, der die szenische Einrichtung für diesen Liederabend besorgt hat. Der Intendant ließ auch nicht unerwähnt, dass die Idee, die „Winterreise“ am Theater Vorpommern aufzuführen, vom Künstler selbst gekommen war.

Beim Greifswalder Publikum kam alles gut an. Denn am Premierenschluss hatte man den Eindruck, als wollte es gar nicht wieder aufhören zu klatschen und zu jubeln, Standing Ovations inbegriffen. Maciej Kozlowski und David Behnke stand dann auch die Freude ins Gesicht geschrieben. Beide strahlten. Zurecht, denn ihnen ist es gelungen, trotz strenger Corona-Auflagen wirklich hochwertiges Musiktheater auf der großen Bühne anzubieten. Denn normalerweise gehört die „Winterreise“ ins Foyer, wo das Publikum hautnahen Kontakt mit den Künstlern haben kann. Aber genau das darf wegen Corona nicht sein. Und so muss auch das Bühnenbild hervorgehoben werden, das trotzdem Nähe schafft, obwohl die erste Reihe im Parkett wegen der Aerosole beim Singen unbesetzt bleiben musste.

Christopher Melching hatte für die Ausstattung noch einmal die Verantwortung übernommen. Der Mann war bis vor kurzem dafür leitend am Theater Vorpommern tätig. Nun ist er Chef der Kostümabteilung am Anhaltischen Theater in Dessau. Bei der „Winterreise“ setzt er auf Romantik, und damit viel Natur: Man sieht Wasser und einen gigantischen Himmel mit sich bewegenden Wolken. Mal graudunkel, dann wieder blauweiß oder grellgelb bis feuerrot. Im Kontrast dazu ist Maciej Kozlowski gekleidet. Er trägt Turnschuhe, Jeans, Kapuzenjacke und Shirt. Seine „Habseligkeiten“ hat er in einem schwarzen Stoffrucksack verstaut. David Behnke am Konzertflügel ist ähnlich angezogen. Mit Blouson und Strickmütze, die man heute wohl Beanie nennt. Er sitzt die gesamte Aufführungsdauer mit dem Rücken zum Publikum. Aber auch das hat seine Bewandtnis. Denn so trägt er den Sänger förmlich durchs Stück und spielt sich selber nicht in den Vordergrund. Großes Kompliment.

Ostseezeitung, 19.10.2020