EigenArten

Eine Produktion des Theater H2B des Kreisdiakonischen Werks Greifswald

Termine

Wir haben das Meer vor vierhundert Millionen Jahren verlassen. Das Meer hat uns nicht verlassen. Es ist immer noch in uns. In unserem Blut, in unserem Schweiß, in unseren Tränen. Ich bin ein Geflecht, eine Verbindung, eine Fusion aus euch und der Welt. Ich bin zusammengefügt. Ich bin viel. Ich bin ein Konglomerat. Die Eigenschaft aus mehreren Eigenschaften zu bestehen. Ich bin zusammengesetzt, eine Verschmelzung, eine Kombination. Ich bin du. Ich bin die Summe meiner Begegnungen. So viele Geschichten, wie es Begegnungen gibt. Die Geschichten enden nicht, wenn ein Leben endet. Jede Geschichte schenkt seine Schwingungen den anderen Leben. Die Stücke meines Ichs haben unterschiedliche Farben und Formen. Die Stücke meines Ichs verhalten sich alle anders.

Im Februar 2019 sind 11 junge Spielerinnen und Spieler in einer inklusiven Theatergruppe zusammengekommen.
Sie stellten sich vielen Fragen an das eigene Ich. Einige Entdeckungen hielten wir fest. Eine sinnliche und sinnreiche Geschichte einiger Eigenschaften.

Eigenproduktion des Theater H2B des Kreisdiakonischen Werks Greifswald

Spielleitung: Silke Lenz und Jan Holten

PRESSESTIMME

Die spannende Reise zum inneren Ich

Das Theaterprojekt H2B feiert Premiere von „EigenArten“ im Rubenowsaal in Greifswald

Die acht Darstellenden winden sich, als würde jeder einzeln ins Meer eintauchen. Dann wieder bilden sie zusammen, über Stöcker verbunden, einen sich wellenartig ausdehnenden Kreis. „Ich bin nicht nur ich, sondern ich bin viele. Ich bin eine Vereinigung, ein Geflecht aus euch und der Welt“, spricht Nicole Lehmann.

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ heißt der Titel des 2007 veröffentlichten Bestsellers von Richard David Precht. Ähnlich könnte das Motto der Eigenproduktion der Theatergruppe H2B des Kreisdiakonischen Werks Greifswald lauten. Am Donnerstagabend fand die Premiere des Stücks „EigenArten“ im Rubenowsaal des Theaters Vorpommern in Greifswald statt. Unter der Leitung der Theaterpädagogen Silke Lenz und Jan Holten hatten sich im Februar 2019 elf junge Spieler im Alter von 18 bis 39 Jahren zusammengefunden, die gemeinsam völlig frei ein Theaterstück entwickelt hatten. „Thema ist die Entdeckung des eigenen Ichs und das intensive Auseinandersetzen mit Fragen wie: Wo will ich hin? Wer bin ich?“, erläutert Holten, der auch Vorsitzender des Landesverbandes Spiel und Theater in MV ist. Die Idee haben die Darstellenden aus ihren eigenen Anekdoten kreiert.

Entstanden ist ein 45-minütiges philosophisch-sprachliches Bewegungsexperiment, in dem die Spielenden Antworten auf existenzielle Fragen in der Begegnung mit sich selbst und anderen suchen. Unter Anleitung von Tanzpädagogin Silke Lenz haben sie Bild- und Formelemente für ihre Gedanken und Stimmungen erarbeitet, die oft an ein Auseinanderfließen und Wiedervereinigen erinnern.

Anstatt vorgegebene Rollen zu spielen, verkörpern die Laienschauspieler unterschiedliche sprachliche Motive, wie den Suchenden, der philosophisch nach dem Sinn des Lebens fragt. Die Entmutigte, schon am Boden liegend, weil normgesteuerte Kognitionen von Sozialisationsinstanzen wie „Denk doch mal an deine Zukunft!“ (Josephine Winkler) sie erdrücken, träumt noch von den Sternen. Es fasziniert vor allem der Text, der zum Teil Werken des deutschen Philosophen Ernst Blochs und Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ entnommen wurde. Darstellerin Jenny Duckwitz schrieb zudem einen großen Teil selbst. Die Zuschauer waren begeistert: „Das sind nicht nur Fragen, die sich junge Menschen stellen, sondern auch noch 60-Jährige“, fand Maria Berg. Ein anregendes Ideenfragment.

Annemarie Bierstedt, Ostsee-Zeitung