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Fotos: Vincent Leifer

TanZZeiT 2019

Zwei zeitgenössische choreographische Uraufführungen von Kristian Lever und Tiago Manquinho

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Termine

  • 31.05.2019 19:30 Uhr Hinterbühne, Stralsund
  • anschließend mit SENF DAZUGEBEN mit Inga Haack
  • Karten kaufen
  • 04.06.2019 19:30 Uhr Hinterbühne, Stralsund Karten kaufen
  • 06.06.2019 19:30 Uhr Hinterbühne, Greifswald Karten kaufen

Die dritte Produktion des Ballettensembles ist die TanZZeiT. Zeit für Tanz. Zeit für zeitgenössischen Tanz. Stets steht am Anfang die Idee der zwei Gastchoreographen. Im Verlauf der Arbeit entsteht so etwas Neues und noch nicht Dagewesenes. Seit über 20 Jahren lädt das Theater Vorpommern zur TanZZeiT zwei Choreographen ein, um mit dem Tanzensemble gemeinsam zwei Uraufführungen zu erarbeiten. Dies bietet nicht nur den Gästen eine Option für neue Wege, sondern ermöglicht dem Ensemble Einblicke in neue Arbeitsweisen und Handschriften, das eigene Potential zu entdecken sowie individuelle Impulse einzubringen. Dieses Format hat eine lange Tradition für das BallettVorpommern und der Rückblick auf die vergangenen Choreographien gibt Anlass genau dies fortzuführen.

Seit Ende der Spielzeit 2016/17 arbeitet der Portugiese Tiago Manquinho als freischaffender Choreograf. Im Mai 2018 war die Premiere seines Stücks „close_insight“ für das Tanzensemble des Stadttheater Gießen. Im Dezember 2017 choreografierte er als Gast am Staatstheater Braunschweig für das Community Tanzprojekt »Tanzwärts: ich & ich & ich«.  Von 2015 bis 2017 war er als Hauschoreograf und Tänzer am Staatstheater Braunschweig unter der Leitung von Gregor Zöllig engagiert.  2017 war die Premiere seines Tanzabends „Nice to meet you?“ mit dem Tanztheater Braunschweig. 2016 fanden die Uraufführungen seiner Tanzstücke "Who the fuck is Alice?" beim TanzArt ostwest Festival in Gießen, sowie "Am sechsten Tag..." am Staatstheater Braunschweig statt. Davor zeigte Tiago Manquinho bereits eigene Stücke im Rahmen verschiedener Junge-Choreografen-Abenden zwischen 2003 und 2015. Im Rahmen verschiedener Community Tanzprojekte (2007-2017) choreografierte er mehrfach für Schüler, Senioren, arbeitslose Jugendliche, jugendliche Flüchtlinge, Kinder und Erwachsene mit Migrationshintergrund, straffällige Jugendliche, Jugendliche mit Behinderungen und Förderbedarf. Er choreografierte mehrfach für Musiktheater und Schauspiel unter anderem am Staatstheater Braunschweig für die Oper „Werther“ (2017). Seit 2014 ist er Lehrbeauftragter für Tanz (Contact-Improvisation) an der Universität Bielefeld (Fakultät Sportwissenschaft). 2013 war er Preisträger des Tanztalers der Theater-und Konzertfreunde Bielefeld. Als Tänzer war er engagiert bei der Companhia Nacional de Bailado, der Semperoper Dresden, an den Städtischen Bühnen Osnabrück, am Theater Bielefeld sowie am Staatstheater Braunschweig.
Seine Ausbildung in klassischem und zeitgenössischem Tanz erhielt er an der Escola de Dança Conservatório Nacional in Lissabon, die er 1997 mit dem Diplom zum Bühnentänzer abschloss.

 

Kristian Lever ist ein preisgekrönter, finnisch-britischer Choreograph und Tänzer. Sein Weg begann in Helsinki, Finnland, wo er aufwuchs. Später zog er zur weiteren Ausbildung nach Moskau und Dresden, wodurch er über eine große Bandbreite an Wissen und Erfahrung zu verschiedenen Tanzstilen verfügt. Sein Tanzrepertoire reicht von Jiri Kylian, Nacho Duato, Ohad Naharin, Marco Goecke, Natalia Horecna, John Neumeier zu vielen anderen. In Hamburg unter der Leitung von John Neumeier und Kevin Haigen wurde ihm seine erste professionelle Anstellung als Choreograph angeboten. Mittlerweile hat er mehrere Werke für das Bundesjugendballett, das Royale Ballett Dänemark, das kroatische Staatsballett in Rijeka, das ukrainische Staatsballett, Tänzer des Nederlands Dans Theater, das Hessische Staatsballett und viele andere geschaffen. Kristian arbeitet derzeitig an einem neuen Werk für das Bundesjugendballett, welches am 14.2.2019 Premiere haben wird. Später im Frühjahr 2019 werden neue Auftragswerke für das BallettVorpommern und das Balletttheater Tivoli in Copenhagen ihre Premieren am 26.4. und 16.5.2019 feiern. Zusätzlich plant Kristian eine neue Produktion für seine eigene Compagnie Klever Dance, welche im November Premiere haben soll.

Albert Einstein sagte einmal: „Ich habe kein besonderes Talent, ich bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Kristian folgt diesem Zitat als Ansatz in allen seinen Werken; mit dem Drang immer jenseits das Jetzt zu schauen und seinen Horizont immer mehr zu erweitern. Auf diese Weise, daran glaubt er, kann man Grenzen erweitern und neue innovative Werke erschaffen.

 

Workshops

Wie schon in den vergangenen Jahren werden die beiden Choreographen dieser Spielzeit Workshops anbieten, um Sie hautnah den zeitgenössischen Tanz erleben zu lassen. Weitere Informationen finden Sie hier auf unserer Website und in den Monatsspielplänen.

Tanzschnack

Im Anschluss an den Tanzworkshop am 6.4. laden wir zu einem Tanzschnack ein.

PRESSESTIMME

Tanz gegen das Alleinsein

Gastchoreografen aus Finnland und Portugal beeindrucken am Theater Vorpommern in Greifswald bei neuester Tanzzeit

Am Ende sparten die Zuschauer nicht mit Applaus. Einige riss es sogar zu Standing Ovations von den Stühlen. Und das zu Recht. Denn was die beiden Choreografen, der Finne Kristian Lever und der Portugiese Tiago Manquinho, mit dem Ballett Vorpommern für die neueste Ausgabe der „Tanzzeit“ erarbeitet haben und Freitagabend zur Premiere präsentierten, war nicht nur tänzerisch klasse, sondern auch inhaltlich bemerkenswert.

Beide Stücke zeigen tiefe Einblicke in die menschliche Seele. Was bewirkt das tägliche Leben mit all seinen Tücken und Hindernissen in unserem Innern? Was bedeutet es, mit wechselnden Situationen ständig zurechtzukommen? Wie gehen wir mit Aufruhr, Verwirrung, Isolation, Trennung und Wiedervereinigung um? Der erst 25-jährige Kristian Lever nahm sich dieser und vieler weiterer Fragen in „Bridging“ (Brückenbildung) an und schuf eine Performance, die natürlich vor allem durch viel Körpersprache geprägt ist. Bühnenbild wie auch Licht sind spärlich gehalten und lenken nicht ab. Somit können sich die Zuschauer voll auf die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer konzentrieren.

Thematisch noch spezieller wurde es im zweiten Teil des Abends bei „Lonely Planets“ (Einsame Planeten). In diesem Stück setzt sich der Autor Tiago Manquinho mit dem mittlerweile weltweit grassierenden Problem zunehmender Einsamkeit auseinander. Schon allein eine solche Idee zu haben und tänzerisch zu verarbeiten – dem gebührt der allergrößte Respekt. Manquinho vergleicht dabei unser Leben mit Planeten, die keiner Galaxie angehören und somit keine feste Laufbahn besitzen. Genau so, sagt er, ergehe es vielen Menschen, die keinen rechten Lebenssinn mehr spüren, weil sie sich einsam fühlen. Der junge Choreograf, der seine Ausbildung einst an der Escola de Danca Nacional in Lissabon genoss, spricht sogar schon von einer Epidemie, die um sich greift. Denn das Gefühl des Alleingelassenseins hätten bei weitem nicht mehr nur ältere Menschen, sondern zunehmend auch jüngere, stellt er fest.

Lever und Manquinho sind gern nach Vorpommern gekommen, wie beide erklären, obwohl sie sonst eher an größeren Bühnen arbeiten. Tiago Manquinho choreografierte zuletzt fürs Staatstheater Braunschweig und das Stadttheater Gießen. Kristian Lever, der auch dem Bundesjugendballett angehört, hat für 2019 schon Aufträge für das Tivoli Ballett in Kopenhagen, das Salzburger Landestheater und das Kroatische und Dänische Nationalballett angenommen.

Aber in Greifswald gibt es eben Ralf Dörnen, den umtriebigen und gut vernetzten Ballettdirektor. Er hat die beiden angesprochen. Und die haben mit ihrer Zusage nicht gezögert. Denn mit Dörnen verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. Gewachsen ist sie auch durch Gastspiele im Rahmen von Benefiz-Ballettgalas, wie sie alljährlich auch in Greifswald stattfinden. So wussten beide Choreografen natürlich, dass sie in der Hansestadt ein hochklassiges Ensemble vorfinden, mit dem es sich hervorragend arbeiten lässt.

Zu Beginn der laufenden Spielzeit gab es hier für acht freie Plätze im Ballett 480 Bewerbungen. Greifswald ist in Tanzkreisen mittlerweile nicht nur bekannt, sondern auch begehrt. Die Probenarbeit vollzieht sich meist in englischer Sprache, denn unter den 13 Ensemblemitgliedern ist derzeit kein einziger deutscher Tänzer. Aktuell vereint die Compagnie acht Nationen aus immerhin vier Kontinenten. Deutsche Künstler würden sich kaum noch bewerben, hat Ralf Dörnen festgestellt. Ballett sei eine sehr kraftzehrende Arbeit, sagt er.

Die „Tanzzeit“ als eigenständige Programmform im Spielplan des Theaters Vorpommern existiert mittlerweile seit über 20 Jahren immer am Ende einer Spielzeit. Und sie ist sehr beliebt. Denn sie hat auch etwas ganz Besonderes. Die Zuschauer sitzen nämlich selbst mit auf der Bühne und erleben die Tänzer somit hautnah. Pro Vorstellung werden lediglich 60 Karten verkauft.

Reinhard Amler, Ostsee-Zeitung