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The Juliet Letters (Uraufführung)

Kammerballett von Ralf Dörnen
basierend auf dem Album „The Juliet Letters“ von Elvis Costello und The Brodsky Quartet

Termine

„Juliet, Verona, Italy“ lautet die Adresse, an die viele Menschen Briefe schreiben, die Fragen in Sachen Leben, Liebe, Trennung beinhalten und sogar seit vielen Jahren Antworten bekommen. Handschriftlich. Der „Club de Giulietta“ hat es sich zur Aufgabe gemacht den Ratsuchenden zu antworten. Seit mehreren Jahrzehnten kümmern sich einige Damen und ein Herr ehrenamtlich um die Briefe.
Auch Elvis Costello und das Brodsky Quartet füllen mit ihren fiktiven Briefen an Julia - alle Titel selbst von ihm und den Musikern geschrieben - ein ganzes Album. Als Ballett inszeniert, widmet sich Ralf Dörnen den verschiedenen Themen der Texte und arbeitet mit der Annahme, dass völlig fremde Menschen die innigsten Gedanken und persönlichsten Gefühle in den Briefen zu lesen bekommen.

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PRESSESTIMMEN

"The Juliet Letters": Eine Ode an den Brief (von Juliane Voigt)
Kleines, aber feines Ballett feiert in Greifswald umjubelte Premiere

von Reinhard Amler

Ballettdirektor Ralf Dörnen kann sich freuen. Für die Premiere „The Juliet Letters“ erhielten er und seine Tanzcompagnie am Sonnabendabend sehr viel Applaus und Jubelrufe. Das Kammerballett, das Dörnen extra wegen der einzuhaltenden Corona-Abstandsregeln ausgesucht hatte, kam bei dem zumeist jüngeren Publikum super an.

Die Premiere dieser Uraufführung war sogar lange vorher ausverkauft. Und an der Kasse existierte schon seit Tagen eine Warteliste für weitere potenzielle Besucher. Denn bis einschließlich 31. Dezember dürfen pro Vorstellung nur rund 130 Zuschauer ins Große Haus.

Das Theater achtet peinlichst genau auf die Einhaltung aller Corona-Regeln. So müssen Eintrittskarten vom Besucher auf einen Tisch gelegt werden, wo sie dann mit aufgemaltem Punkt vom Einlassdienst entwertet werden.

Neue Perspektive auf
Shakespeares Liebesdrama

Inhaltlich geht es in „The Juliet Letters“ um Briefe, die noch heute an Julia in Verona gesandt werden. Das ist keine geringere als Julia Capulet, die Shakespeare‘sche Julia, die eigentlich längst tot ist, aber auf diese Weise von ihren Fans weiter verehrt wird. In den Briefen, die sie erreichen, berichten die Absender über ihre Sorgen, Nöte, Wünsche, Ängste Zweifel und Freuden. Und das mit Erfolg, denn die Briefe werden beantwortet. Dafür sorgt der „Club der Giuletta“, der sich vor Ort gegründet hat und ehrenamtlich arbeitet.

Musik von Elvis Costello

Der britische Musiker Elvis Costello hat diesen Fakt 1992 zum Anlass genommen, daraus ein Werk zu schaffen. Er verfasste 20 solcher Briefe mit fiktivem Inhalt und vertonte sie. Für die Musik setzte er ein Streicherensemble ein, für den Gesang eine Popstimme. Das daraus entstandene Studioalbum mit seinem romantischen Liederzyklus bildet die Grundlage für Dörnens Tanzabend.

400 handgeschriebene Briefe

„The Juliet Letters“ ist natürlich kein großes Ballett mit tiefgehender Handlung. Es ist klein aber fein, kurz und unterhaltsam. Es dauert keine eineinhalb Stunden. Trotz der beschränkten Zeit geht es aber in den Tanzszenen sehr emotional zu.

Die Konzeption für den Ballettabend spielt mit dem Gedanken, dass fremde Menschen die eigenen Gedanken lesen. Die Texte von Costello sind aber nicht ausschließlich Liebesbriefe, sondern auch Abschiedsbriefe, Beileids oder Bettelbriefe. Auch Antworten auf Anfragen sind darunter.

Und weil es um so viele Briefe geht, verlangt das Ballett natürlich einen hohen Papiereinsatz. Allein 400 handgeschriebene Exemplare hängen an Leinen und bilden den wesentlichen Teil des von Eva Humburg gestalteten Bühnenbildes.

Immer wieder bringen die zwölf Tänzerinnen und Tänzer auch neue Scheiben mit auf die Bühne, die irgendwann dann alle durch die Luft segeln.

Zeitgemäß ist das nicht mehr. Aber würde man anstelle der Briefe E-Mails einsetzen, ließe sich solch ein Abend wahrscheinlich nur schwer oder gar nicht gestalten.

Stück schon lange
im Hinterkopf

Ralf Dörnen sagt, dass er das Stück schon lange für eine Inszenierung im Hinterkopf hatte, diese aber immer wieder vor sich hergeschoben habe. Corona bot nun die Gelegenheit, „The Juliet Letters“ als Ballett zu erarbeiten und auf die Bühne zu bringen. Auch ohne Hebungen waren die Darbietungen ein Genuss.

Die zwölf Tänzerinnen und Tänzer, die übrigens von vier Kontinenten stammen (Australien, Afrika, Südamerika und Europa) präsentierten sich nach siebenmonatiger Corona-Zwangspause in einer bemerkenswert guten Form.

 Ostsee-Zeitung, 21.09.2020

Kleines, aber feines Ballett feiert
in Greifswald umjubelte Premiere
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