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Der Besuch

Der Besuch (Uraufführung)

Ballett von Ralf Dörnen frei nach dem Schauspiel "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt
mit Musik von Karl Amadeus Hartmann und Johann Sebastian Bach

Termine

  • 26.05.2019 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • 17:15 Uhr wird im Foyer eine Einführung angeboten.
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  • 09.06.2019 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 15.06.2019 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Letzte Vorstellung; anschließend SENF DAZUGEBEN mit Inga Haack und Ralf Dörnen
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Immer wieder sind es gesellschaftskritische Inhalte, die Ralf Dörnen zu seinen Ideen für neue Inszenierungen und Choreographien inspirieren. In dieser Spielzeit widmet er sich nun einem von Dürrenmatts dramatischen Stoffen: Claire Zachanassian kehrt nach geraumer Zeit in ihren Heimatort zurück. Die mittlerweile reiche Dame verspricht der Dorfbevölkerung viel Geld, wenn diese ihren ehemaligen Geliebten Alfred Ill umbringt, der zur damaligen Zeit die Vaterschaft des gemeinsamen Kindes bestritt, für die deshalb angesetzte Gerichtsverhandlung Zeugen bestach und somit der Vaterschaftsklage entging. Claire verdiente sich nach ihrem Weggang aus Güllen ihren Lebensunterhalt mit Prostitution bis sie durch ihre insgesamt neun Ehemänner zu großem Reichtum kam. Die Bewohner des Ortes lehnen das Angebot, schnell zu Geld zu kommen vorerst ab, allerdings begegnen sie Ill mit einer veränderten Einstellung. Was sind wir bereit für Geld zu tun? Sind wir alle käuflich? Wie hoch ist der Preis für ein Menschenleben? Wie weit gehen wir für unseren eigenen Vorteil?

PRESSESTIMMEN

Dürrenmatt stark vertanzt

Am Sonnabend feierte das Ballett „Der Besuch“ von Ralf Dörnen Premiere am Theater Vorpommern.

Selten dürfte ein kollektiver Mord eine so positive Resonanz ausgelöst haben, wie am Sonnabend in Stralsund bei der Premiere der Inszenierung „Der Besuch“ am Theater Vorpommern. Friedrich Dürrenmatts tragikomisches Schauspiel „Der Besuch der alten Dame“ vertanzt als Ballett – das ist schon eine Herausforderung. Aber eine, der sich Ballettdirektor Ralf Dörnen (Inszenierung und Choreografie) ganz bewusst stellte. „Geld als Wurzel allen Übels, Geld, das die Welt regiert, der Stoff ist gerade in der heutigen Zeit ein Muss“, so Dörnen, der immer wieder gesellschaftskritische Inhalte aufgreift.

Auch wenn Dürrenmatt das Stück, mit dem er Weltruhm erlangte, für sein konventionellstes hielt: Die Kritik an der westlichen Wohlstandsgesellschaft, die er auf die Formel „Geld ist Macht“ bringt, trifft den Zeitgeist. Das Stück wirft Fragen nach Schuld und Sühne, Rache und Genugtuung und Geldgier bis zum Mord auf. Was ist jeder Einzelne bereit, für Geld zu tun? Sind wir käuflich? Wie hoch ist der Preis für ein Menschenleben? Diese Fragen haben im Hinblick auf Flüchtlingsboote, die fast täglich im Meer versinken, auf globale Produktionsbedingungen und Umweltzerstörung eine tragische Aktualität.

Zur Handlung: Milliardärin Claire Zachanassian (Bárbara Flora) kehrt nach langer Zeit in ihren verarmten Heimatort Güllen zurück. Die reiche Dame verspricht der Dorfbevölkerung viel Geld, wenn diese ihren ehemaligen Geliebten Alfred Ill (Stefano Fossat) umbringt. Ill hatte einst die Vaterschaft des gemeinsamen Kindes bestritten, für die deswegen angesetzte Gerichtsverhandlung Zeugen bestochen und war so der Vaterschaftsklage entgangen. Die junge Claire, die damals noch Kläri Wäscher hieß, wurde entehrt aus dem Dorf verjagt. Sie verlor ihr Kind und verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit Prostitution, bis sie durch ihre insgesamt neun Ehemänner doch noch zu Reichtum kommt. Die Bewohner des Ortes lehnen das Angebot zunächst ab, lassen sich aber von der allgemeinen Geldgier anstecken.

Obwohl Dürrenmatt nach wie vor in Ost- und West zum Schulstoff gehört, hat Dörnen bewusst einen plakativen Ansatz gewählt. Er setzt auf Emotionen, arbeitet mit Licht und Farben. Das zeigt sich auch an Bühnenbild und Kostümen (Klaus Hellenstein). Die Stadtbewohner in schwarz-grauer Kleidung und dunkler Kulisse sind kaum voneinander zu unterscheiden. Den einzigen Glanzpunkt in der grauen Masse bilden die vollständig in Gold gekleidete Claire Zachanassian und ihr in Weiß gehaltener Diener. Zachanassian, die zu Beginn Geldscheine an die Güllener verteilt, wirkt, wie eine Puppenspielerin, die die Stadtbewohner wie Marionetten an unsichtbaren Fäden tanzen lässt. Es kommt zu einem Wiedersehen von Claire und Ill – beeindruckend vertanzt von Bárbara Flora und Stefano Fossat, denen es gelingt, dem emotionalen Wechselbad aus Nähe und Distanz, Anziehung und Abscheu tänzerischen Ausdruck zu verleihen. Auch für den Rückblick in Claires Vergangenheit hat Dörnen einen klugen Ansatz gewählt: Er stellt mit der jungen Kläri Wäscher (Sara Nativi) und Klara in Hamburg (Isabelle Heymann) zwei weitere Persönlichkeiten auf die Bühne, die tänzerisch die Geschichte der Claire Zachanassian erzählen. Die Güllener verfallen ihrer Gier, das Bühnenbild wird mit zunehmendem Reichtum goldener. Die dunkle Kleidung weicht gelber Wohlstandsgarderobe – angefangen mit den gelben Schuhen, die schon bei Dürrenmatt ein Symbol für Geldgier und Verrat sind und bei Dörnen durch gelbe Ballettschuhe ersetzt werden.

Die Szenen werden eindrucksvoll von den überwiegend hochdramatischen Sinfonien des Münchner Komponisten Karl Amadeus Hartmann (1905-1963) untermalt, die beim Zuschauer ein diffuses Unbehagen erzeugen und unweigerlich auf ein tragisches Ende zusteuern. Vergeblich bemüht sich Ill, Claire umzustimmen, seinen Fehler zu entschuldigen und seinen Freunden ins Gewissen zu reden. Durch seine Einsicht wird er letztlich zum tragischen Helden, der moralisch geläutert in einem – wie könnte es anders sein – goldenen Sarg endet. Emotional und mitreißend – mehr davon.

Stefanie Büssig, Ostsee-Zeitung