Das Tagebuch der Anne Frank
- Mono-Oper von Grigori Frid basierend auf dem Tagebuch der Anne Frank
- Deutsch von Ulrike Patow
„Wenn ich in den Himmel schaue, dann denke ich, dass all diese Grausamkeiten auch mal ein Ende haben …“
Was bedeutet es, sich zu verstecken, nicht da sein zu dürfen – auf ewig in der Unsichtbarkeit zu leben? Was geschieht mit einem Menschen, wenn die Welt draußen zur Bedrohung wird und Hoffnung dennoch nicht verstummt?
Grigori Frids monodramatische Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ führt eindrucksvoll in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Mädchens, das unter ihren erschütternden Bedingungen niemals aufhört, an das Gute zu glauben. Angelehnt an das weltberühmte Tagebuch, verdichtet Frid ihre Erlebnisse zu einem berührenden Monolog in 21 Szenen: Geburtstagsfreude, Angst vor der Gestapo, Einsamkeit, erste Verliebtheit und Hoffnung auf Befreiung. Musik erklingt da, wo Worte nicht ausreichen – zart, eindringlich und voller Poesie.
Annes Schicksal ist kein Einzelfall. Ihre Stimme steht stellvertretend für Millionen. Diese Oper macht Vergangenheit spürbar und öffnet einen Raum für Mitgefühl, Nachdenken und Hoffnung. Es ist kein Mahnmal aus Stein, sondern ein klingendes, lebendiges Erinnern – und eine kraftvolle Botschaft an uns alle: Nie den Mut verlieren. Komponiert für eine Sängerin und ein Kammerensemble, eröffnet das Werk insbesondere jungen Menschen ab Klasse 9 einen emotionalen Zugang zu einem der bewegendsten Zeugnisse des Holocaust.
Aufführungsdauer: ca. 60 Minuten / keine Pause
EXTRAS:
Schulvorstellungen, mobil buchbar, Lesung für Familien, interaktive Ausstellung.
Musikalische Leitung
David Wishart, Yoshihiro Horie
Inszenierung
Verena Koch
Bühne & Kostüme
Ute Lindenbeck
Licht
Friedemann Drengk
Dramaturgie
Stephanie Langenberg
Musikalische Assistenz
David Behnke, David Grant
Regieassistenz, Abendspielleitung, Soufflage & Inspizienz
Saskia Becker
Studiumspraktikum
Amy Dittbrenner
Anne Frank Kadi Jürgens
Klavier David Wishart, Yoshihiro Horie
Kontrabass Christoph Uhland, Yuki Tanabe
Schlagzeug Matthias Suter, Eri Nishizawa
Greifswald, Volkshaus, Das Tagebuch der Anne Frank - G. Frid, IOCO
Ein solch gefühlshaft aufgeladenes und – es sei wiederholt – auch ikonographisch gemeintes Stück steht und fällt mit der Protagonistin. Der Glücksfall heißt hier Kadi Jürgens (Mezzosopran), kommt aus Estland und ist seit dieser noch jungen Spielzeit Mitglied des Theaters Vorpommern.
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„Für mich eine sehr große, aber auch sehr schöne Herausforderung“! So Kadi Jürgens. Und das darf getrost unterstrichen werden. Es geht um knappe sechzig Minuten Einsamkeit auf der Bühne, um einen Monolog, der darstellerisch wie sängerisch auch der erfahrenen Protagonistin einiges abverlangt. Pausen gibt es kaum. Intonatorisch ist ihre Partie zudem von einem bemerkenswert hohen Schwierigkeitsgrad. Für die Protagonistin kein Problem! Sie vermag der zwischen Tonwiederholungen und intervallisch zerklüfteten, tonal freien und dezidiert auf Deklamatorisches setzenden Anlage der Gesangsstimme ein bemerkenswert hohes Maß an klanglicher, ja quasi „melodischer“ Intensität abzugewinnen und mit denkbar hoher Expressivität zu fesseln. Sie verbindet das mit einem Spiel, das ganz auf Natürlichkeit setzt und ungeachtet großer Bühnendominanz nichts „Heldisches“ an sich hat – Voraussetzung für eine so eindringliche wie von jeder Larmoyanz fernen Wirkungsmächtigkeit. Zudem gelingt eine Intimität im Handeln und Singen, die man sowohl vom Stück her als auch hinsichtlich seiner Präsentation als überaus gelungen betrachten darf.
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Nicht zu trennen ist dieser Eindruck vom Agieren der drei Instrumentalisten. Hier kommt in erster Linie dem Pianisten die Hauptaufgabe zu: nämlich einem zunächst sehr sperrig wirkenden, aber sehr spezifisch und variabel ausgearbeiteten Klavierpart zu ebenso fesselnder Wirkung zu verhelfen. Eine große Aufgabe also für den Solorepetitor David Wishart (alternierend Yoshihiro Horie).
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Wishart, der (kaum bemerkbar) auch als Musikalischer Leiter des Ganzen fungierte, entledigte sich dieser anspruchsvollen Aufgabe mit Bravour, was auf die allerdings wesentlich weniger und viel zurückhaltender eingesetzten Mitspieler Kontrabass (Christoph Uhland, alt. Yuki Tanabe) und Schlagzeug (Matthias Suter, alt. Eri Nishizawa [Anm. Theater Vorpommern]) gleichermaßen zutraf. Diese Besetzung mag Fragen aufwerfen, aber ihre unterstützendeklangliche und damit auch auf das Bühnengeschehen zielender Wirkung ist unbestritten.
Alles in allem ein sehr gelungener, künstlerisch eindrucksvoller Abend, dem man mit einem Dutzend weiterer geplanter Aufführungen viel nachhaltige Wirkung wünscht.
- von Ekkehard Ochs für IOCO
Lesen Sie hier die gesamte Rezension auf IOCO.
