Vereinte Nationen

von Clemens J. Setz

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Am Anfang sind es 103 feste Abnehmer, die für Filme bezahlen, die in der Küche von Anton und Karin mit ihrer gemeinsamen Tochter Martina entstehen. Anton dreht diese Filme mit einer in der Cornflakes-Schachtel versteckten Kamera, ohne physische Gewalt, nur durch Erpressungsversuche oder leichte Drohungen. Oskar, Freund der Familie, vertreibt diese Filme auf einem Online-Portal. Da er die geheimen Vorlieben der Abnehmer kennt, sorgt er dafür, dass ihr Kundenkreis stetig wächst. „Alle ihre Spielzeuge zerstören vor ihren Augen. Das wird sehr oft gewünscht, weißt du?“ Was als scheinbar normale Familienszene in der Küche beginnt, entwickelt sich zu einem besessenen Spiel auf dem schmalen Grad von Manipulation und Fürsorge. Und während die Eltern auf aberwitzige Weise Kategorien von Authentizität und Künstlichkeit, Dilettantismus und „echter“ Kunst diskutieren, hat die digitale Fiktion ihr Leben längst im Griff. Der mehrfach ausgezeichnete 35- jährige österreichische Romancier Clemens J. Setz legt mit „Vereinte Nationen“ sein erstes Theaterstück vor, das die Abgründe der Möglichkeiten in der digitalen Welt grotesk – komisch zuspitzt. Annett Kruschke, Schauspielerin und Regisseurin, die in der letzten Spielzeit „Medea“ nach Christa Wolf inszenierte, bringt dieses schwarze Komödie auf die Bühne.