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Herr Trautsich geht hinter den Vorhang und staunt 3+

Theater von Anfang an
In Koproduktion mit dem Theater Handgemenge

Termine

Peter Müller und Oliver Dassing erzählen eine kleine Schöpfungsgeschichte, in der sie naiv und spielerisch die Elemente des Theaters entdecken den Stoff weben aus dem es gemacht ist. Das ist überraschend, lehrreich und interessant. Aber vor allem spielerisch, lustig, spannend und verblüffend. Theater eben.

 

Am Anfang ist - Nichts. Da kommt Jemand in die dunkle Leere. Er ist da und weiß noch nicht wozu. Plötzlich ist da etwas Helles ... ein Licht. Es will spielen, blenden, sich verstecken und beleuchten. Sein Schein bringt manches zum Vorschein und fällt auf etwas. Ein Vorhang! Plötzlich gibt es ein Vorn und Hinten, ein Drinnen und Draußen und die Luft ist schon fast Theaterluft. Was fehlt noch? Vielleicht ein Kleid, das verkleidet, Wörter die Sprache werden, ein Ton der Musik wird und jemand, der mit dir spielt. Die Welt wird bunt und darüber der Theaterhimmel: nur ein Schnürboden mit Zügen, Scheinwerfern und Lautsprecherboxen.




Diese Inszenierung ist Annette Wurbs gewidmet

 

gefördert im Fonds Doppelpass

 Kulturstiftung des Bundes

Wiederaufnahme ab 19. September 2015

PRESSESTIMMEN

Ganz großes Theater für kleine Leute

Was der sich da vorne getraut hat, der Herr aus der ersten Reihe. Nur weil da grad keiner auf der Bühne war, konnte man doch nicht einfach da hin gehen und an dem Vorhang ziehen und so Spirenzchen machen. Das tat der Herr aber, allerdings so schüchtern, dass man ihn fast wieder auf seinen Platz helfen mochte. Und ein Kind rief sogar in die pantomimische Stille hinein: „Darf der das?“

Er durfte. Das Kinder-Stück „Herr Trautsich geht hinter den Vorhang und staunt” hatte am Sonntagnachmittag Premiere auf der Stralsunder Hinterbühne.

Peter Müller und Oliver Dassing spielen in einer Inszenierung von Jens Finke, Anette Wurbs und den beiden Darstellern selbst Theater für Kinder ab vier Jahren. Also die ganz sensiblen in den ersten Reihen sind von ein paar Tuba-Hupen erschreckt worden, aber es ist so ein hinreißend harmloser Klamauk, dass alle einen faszinierenden Theaternachmittag (45 Minuten) erleben können.

Herr Trautsich und ein Pierrot machen irgendwas. Aber es ist wie Zauberei. Wenn Herr Trautsich über die Bühne läuft macht es wutsch und witsch wie im Comic. Nachdem er sich getraut hat, fängt er an zu staunen. Spätestens, als er den Punkt trifft, machts ihm richtig Spaß. Der Punkt ist eigentlich nur ein Verfolger-Lichtpunkt, aber ein ganz schön freches Ding. Abwechselnd spielen die beiden jetzt Punkt-Dompteur.

Die Kinder lachen sich schief, als erst Herr Trautsich und dann der Pierrot in einem Farbeimer feststecken und die klebrige Matsche über die ganze Bühne verteilen. Zumindest gefühlt. An der Stelle sind sie noch gar nicht aufeinander getroffen. Wenn der eine abzieht und „Lappen!“ ruft, um den imaginären Schlamassel aufzuwischen, matscht der andere weiter und zieht Striche, die der andere wieder sabotiert.

Das ganze sind bis hierhin nicht viel mehr als zwei Menschen und ein Eimer und eine Leinwand. Aber Kinder und Erwachsene haben sich weggekugelt. Dann traut sich Herr Trautsich sogar in ein Kostüm. Ein Prinzessinnenkleid. Er sieht ziemlich komisch darin aus. Dann fehlt ihm ein Bein und das Kleid macht Geräusche wie ein Luftballon, wenn er sich auf den Hocker unter den Schirm setzt, den der Pierrot da gerade für sich hingestellt hatte. Erst in dem Moment treffen die zwei überhaupt aufeinander und mehr als „Lappen!”, „Schön!” und die Steigerungsform davon: „Sehrsehrsehrsehrsehrsehrschön“, es gibt auch “nochvielschöner!”, ist noch nicht geäußert worden auf dieser Bühne.

Daran wird sich auch nicht viel ändern. Aber die Beiden brauchen auch keine Worte, um zu zeigen, wie man lernt, zusammen auf der Bühne zu spielen. Zwei Theaterfiguren und inzwischen drei Requisiten. Natürlich gibt es Streit um alles, was nur ein Mal da ist. Und schon bald klatschen die Ohrfeigen, ärgern sie sich nach Herzenslust, vertragen sich überzeugend und ziehen am Ende gemeinsam mit Tuba und Banjo in das Haus ein (Musik: Sebastian Undisz).

Eine entwaffnend schlichte Geschichte, die alles zeigt, was mit ein bisschen technischer Raffinesse und ein paar Geräuschen an Imagination erreicht werden kann. Aber vor allem durch punktgenaues Zusammenspiel von allen. Ganz großes Theater für kleine Leute!

Ostsee-Zeitung, 2.9.2014 von Juliane Voigt