Monodramen (5)

Guten Morgen, Du Schöne.
Protokolle nach Tonband
von Maxie Wander

2018 - Frauenmonologe heute (UA)
von Sabine Michel

Termine

  • 03.12.2018 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 08.12.2018 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 09.01.2019 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 19.01.2019 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen

Guten Morgen, Du Schöne. Protokolle nach Tonband
von Maxie Wander

Maxie Wanders „Guten Morgen, du Schöne“ war einmal das vielleicht berühmteste Werk der DDR-Literatur. Ein Buch von Frauen über Frauen, das bis heute Maßstäbe setzt. In ihm erzählen neunzehn Frauen im Alter von 16 bis 92 Jahren von ihrem Hunger nach Leben, ihren Sehnsüchten und der Verständnislosigkeit der Männer. Noch im Erscheinungsjahr 1977 verkaufte es sich über 60 000 Mal. Eine Schallplatte folgte und etliche Theateradaptionen. 1980 war „Guten Morgen, du Schöne“ in der DDR der meist gespielte Text unter den Stücken ostdeutscher Dramatik. Hier brach die Wirklichkeit in die Literatur ein. Hier! Jetzt! und Ich! sind die Postulate in „Guten Morgen, du Schöne“. Dass Maxie Wander ein ebenso undogmatisches wie hedonistisches Verständnis von der Emanzipation der Frau hatte, macht ihr Buch auch heute so wichtig. Die Frauenprotokolle zeigen unverstellt und selbstbewusst den ostdeutschen Blick auf Emanzipation, die ostdeutsche Realität fern aller „Barbie-Feministinnen“.

Alle Rechte bei Susanne Wander, Wien.

 

URAUFFÜHRUNG

2018 - Frauenmonologe heute

VON SABINE MICHEL

Über die ostdeutsche Frau wurde in den vergangenen Jahren immer wieder geschrieben und gerätselt. Sie gilt als pragmatisch, schön, belastbar, strukturiert und sexuell aktiv. Sie fasziniert Wissenschaftler, Schriftsteller, Soziologen, Journalisten. Als im September letzten Jahres der Bundestag gewählt wurde, waren erstmalig fast genauso viele Frauen wie Männer in den politischen Spitzenpositionen. Und alle diese Frauen kamen aus dem Osten! Ist die Wiedervereinigung also in Emanzipationsfragen geglückt? Könnten sie die Heldinnen sein, die wir vergeblich suchen? Die Grimme-Preisträgerin und Film-Regisseurin Sabine Michel befragt 41 Jahre nach dem Erscheinen von Maxie Wanders Buch „Guten Morgen, du Schöne“ Frauen aus Greifswald und Stralsund wieder nach ihrem Alltag, ihrer Arbeit, ihren Familien, Kindern, Männern. Welche Erfahrungen machten sie in den letzten Jahren in der DDR und danach im wiedervereinigten Deutschland? Worin unterscheiden sich ihre Geschichten 2018 von denen damals?

Text 2018 gefördert durch Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung M-V

PRESSESTIMME

Auf der Suche nach dem individuellen Glück

Monodramen-Aufführung im Theater Stralsund / Ein Abend von Frauen über Frauen

„Den Männern die Schuld zuzuschieben, darüber bin ich schon hinaus“, erklärt Darstellerin Anne Greis. Selbstbewusst blickt sie ins Bühnenlicht. Ich! Hier und Jetzt! - so die Botschaft. So wie in dem Buch „Guten Morgen, du Schöne“ der österreichischen Schriftstellerin Maxie Wander, die in der DDR lebte.

Die 5. Monodramen-Aufführung des Theaters Vorpommern widmet sich dem Leben der Frauen und ihrer Suche nach Glück zwischen Familie und Beruf. Am Mittwoch fand die Premiere im ausverkauften Gustav-Adolf-Saal der Jacobikirche in Stralsund statt. Regisseurin Susanne Kreckel hat aus Wanders 1977 erschienem Werk, in dem die Autorin die Lebensporträts von ostdeutschen Frauen zwischen 16 und 92 Jahren sammelte, ein Einpersonenstück entwickelt. Die Beine übereinanderschlagend, mit geblümter Bluse und Filzrock über das orange Sofa turnend, verströmt Greis pure 70er-Jahre-Nostalgie.

Wie sie mit dem Finger in den Locken dreht und mitteilt: „In mir schlummert eine Menge, was ich nicht ausschöpfen kann“, spricht sie den Zuschauerinnen wohl aus der Seele und ist Sinnbild für hilflose Sehnsucht. Nicht umsonst erregte Wanders Buch großes Aufsehen. Beeindruckend, an wie viel Stärke und Lebenslust Greis’ drei Frauenfiguren später gewinnen und wie die Schauspielerin mit Mimik und Gestik zwischen den Figuren wechselt. Alle Figuren fordern ihr individuelles Glück ein: die eine alleinerziehend, die andere möchte endlich einen Orgasmus haben, die dritte hat gern mit vielen Männern Sex. Kreckels Stück rüttelt auch die Frau von heute auf. „Ich wollte auf der Bühne zeigen, wie Frauen im Dialog über den Sinn des Lebens reden“, erklärt sie.

Befreiend und Kräfte mobilisierend ist auch Sabine Michels Stück „2018“. Die Dokumentarfilmerin befragte 41 Jahre nach dem Erscheinen von Wanders Buch zehn Frauen aus Greifswald und Stralsund nach ihrem Alltag in der DDR und heute. Claudia Lüftenegger glänzt in verschiedenen Charakteren mehrerer Generationen. Im Spiel zwischen Kostümen und Perücken stellt sie drei Figuren dar - eine Rentnerin mit Depressionen, die in der DDR nicht anerkannt wurden, die freche Putzfrau und die Ex-Juristin, die den Lebenssinn im Glauben sucht. Das Publikum lacht schallend, wenn Männer mit Schokolade verglichen werden. Ganz nach dem Motto „Nimm dir dein Leben“ des gleichnamigen Films von Michel tanzt Kathrin mit dem Besen und wackelt mit dem Po. „Frauen, egal in welcher politischen Ordnung - egal ob Ost oder West - ringen heute mit den gleichen Problemen wie früher. Allerdings haben die Frauen heute mehr Chancen“, sagt Sabine Michel. Auch wenn die Männer an diesem Abend zu kurz kommen, betont sie: „Emanzipation ist die Aufgabe beider Geschlechter.“

Ostsee-Zeitung, 8.6.2018

Von Annemarie Bierstedt