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Monodramen (2)

Never fuck with the King (UA)
von Oliver Scheer

Charlotte - Leben? Oder Theater? - Das Leben der Charlotte Salomon (UA)
nach David Foenkinos
Bühnenfassung von Oliver Scheer

Termine

Never fuck with the King (UA)

Hier Er: Der King of Rock’n’Roll, die Ikone einer ganzen Generation. Seine Musik: Sex, Auflehnung und Revolution. Und da Walter: Sein größter Fan. Während Elvis auf großen Bühnen spielte oder ganze Stadien füllte, tingelt Walter durch Kneipen, Bars und Supermärkte. Auch auf Jahrmärkten und Partys gibt er den Elvis und eifert so seinem Idol nach. Was als von Familie und Freunden belächelte Idee begann, wird für den Fanboy Walter immer mehr zu einem obsessiven Roadtrip Richtung Graceland – Elvis’ letzter Ruhestätte. Es wird eine Fahrt in den Abgrund der eignen Seele. Walter ist bereit, für seine Leidenschaft alles zu opfern, solange er damit dem King of Rock’n’Roll nur nahe sein kann. Ein Stück über Leidenschaft und Liebe bis hin zur Selbstaufgabe – mit den unsterblichen Songs von Elvis Presley.

 

Charlotte - Leben? Oder Theater? -  Das Leben der Charlotte Salomon (UA)

Die deutsche Malerin Charlotte Salomon schuf mit der Bildserie „Charlotte – Leben? Oder Theater?“ einen zwischen den Jahren 1940 und 1942 entstandenen und 1325 Bilder umfassenden Werkzyklus, der in der Kunstgeschichte seinesgleichen sucht. In diesem „Singespiel in drei Farben“ wie Charlotte es nannte, erzählt sie vom bürgerlichen Leben in Berlin, dem Selbstmord ihrer Mutter, der neuen Frau ihres Vaters, den Großeltern, die stets gegen ihre Malerei eingestellt waren, der großen Liebe ihres Lebens, ihrer Hochzeit und ihrem Exil in Südfrankreich – als Jüdin musste Sie sich vor der mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regierung verstecken. Doch Charlotte Salomon wurde in Nizza denunziert, verhaftet, deportiert und im Oktober 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet – da war sie im fünften Monat schwanger. „Charlotte – Leben? Oder Theater?“ ist eine Reise durch Charlottes Leben anhand ihrer Kunstwerke, die als ihr Vermächtnis überdauert haben. So löst sich im Monodrama ihre Intention einer theatralen Inszenierung ihrer Lebensbilder ein.

Charlotte von David Foenkinos. Aus dem Französischen von Christian Kolb © 2015 by DVA, in der Verlagsgruppe Random House

PRESSESTIMMEN

Jahrhundert zwischen Elend und Wahn

Theater Vorpommern zeigt Monodramen über Elvis Presley und Charlotte Salomon

Was haben Elvis Presley, King of Rock’n’Roll, und Charlotte Salomon, deutsche Malerin aus liberal-jüdischem Hause, die 1943 mit 26 Jahren im KZ Auschwitz von den Nazis ermordet wurde, gemeinsam? Das Theater Vorpommern bringt beide im neuen Monodramen-Projekt zusammen: eine kleine Jahrhundertbesichtigung. Am Donnerstag hatten beide Uraufführungen Premiere in Greifswald.

Oliver Scheer (35), Regieassistent am Theater Vorpommern, debütierte damit als Autor und Regisseur am Hause und entwickelte mit einfachsten Mitteln ein widersprüchliches Zeitbild. Geläufige Klischees greift er auf, doch weder werden sie zerstört noch nur naiv reproduziert; vielmehr haben sie Eigenwert durch Komplexität. Erschwerend für Darsteller und Zuschauer ist, dass sich beide Figuren auf der Schwelle zum Wahn bewegen.

Zuerst „Never Fuck With The King“: der Popstar im Blick seines erschreckend bedingungslosen Fans. Alexander Frank Zieglarski spielt Walther, einen Elvis-Presley-Imitator, wie es Hunderte gibt.

Zieglarskis Figur berichtet bei einem Stück Kuchen über seine Obsession, seinen Lebenskampf und -traum in der Unterschicht Amerikas, zeigt wie heftig er sein Idol verinnerlichte und von ihm besessen ist. Was an seinem Bericht authentisch, was einer an Tarantino-Filmen gehärteten Fantasie entspringt, bleibt zuweilen diffus.

Deutlicher , aber ebenfalls sonderbar die Geschichte der ermordeten Jüdin Charlotte Salomon, empfunden nach ihren unter dem Titel „Leben? Oder Theater?“ herausgegebenen 800 Gouachen. Sarah Bonitz spielt sie skizzenhaft als Kind und junge Frau, zeigt, wie sie eine lange Familientradition von Selbstmorden beenden könnte durch Malerei, Lebenslust entwickelt, dann getötet wird. Anrührend. (Dietrich Pätzold) Ostsee Zeitung, 23.12.2017