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Fotos: Vincent Leifer

MONODRAMEN (4)

Out! - Gefangen im Netz
von Knut Winkmann

20. November
von Lars Norén
Deutsch von Anne Tismer

Termine

Out! – Gefangen im Netz
von Knut Winkmann

Am Anfang ist da nur dieser Satz. Im Netz. Plötzlich reden alle über dich. Ganz klar, deine Schuld, du hast es schließlich provoziert. Dann tauchen die Bilder auf. Und ein Video. Ein Ende ist nicht in Sicht und du hast das Gefühl zu ersticken. Du willst dem Ganzen ein Ende setzen. Es aus deinem Leben löschen. Aber du kannst nichts löschen. Nichts. Denn das Internet vergisst dich nicht.

Was zunächst noch als Aufklärungsunterricht durch den vermeintlichen Polizisten Dominik Stein daherkommt, entpuppt sich schon bald als bittere Realität: Dominik erzählt keineswegs einen Fall aus seinem Polizeialltag, sondern die sehr persönliche Tragödie seiner Schwester Vicky.

Knut Winkmann hat ein Stück über die Gefahren von Cybermobbing im Internet geschrieben und über Zivilcourage im realen Leben.

 


20. November
von Lars Norén

Deutsch von Anne Tismer  

Als ein Schüler im November 2006 in der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten fünf Lehrer und Mitschüler durch Schüsse verletzte und sich anschließend selbst tötete, hinterließ er Aufzeichnungen im Internet. Dieses Material diente Lars Norén als Grundlage für seinen Monolog. Doch bei aller Nähe zu den Fakten ist „20. November” kein Tatsachenbericht. So eloquent wie eindringlich berichtet Noréns Protagonist von einem Leben als Außenseiter, von Mobbing in der Schule, überforderten Lehrern, kleinen und großen Demütigungen. Noréns Text entwirft das Porträt eines Täters, der in seiner Ohnmacht und Wut durch gut gemeinte Beschwichtigungsfloskeln, Appelle an Vernunft und Geduld nicht mehr aufzuhalten ist.

 

Das untenstehende Video zeigt den realen Fall der Kanadierin Amanda Todd mit dramatischen Folgen. Wenige Wochen nach diesem Hilferuf nahm sie sich das Leben.

PRESSESTIMMEN

"Schaut nicht weg!"

Premiere zweier Monodramen am Theater Vorpommern zum Thema Mobbing

von Annemarie Bierstedt

Leerer Blick, zittrige Stimme. "Sie schlugen mich, sie bespuckten mich. Und jetzt werde ich sie erschießen. Das ist Krieg!", schreit Anne Greis im Ein-Personen-Stück "20. November" des Schweden Lars Norén. Mobbing und die Opfer-Täter-Frage waren die schwer verdaulichen Themen des vierten Monodramen-Projekts am Theater Vorpommern. Im kleinen Gustav-Adolf-Saal der Jakobiekirche Stralsund wirkten die beiden von Linus Buck inszenierten Monologe noch beklemmender.

Noréns Monolog handelt von jenem 18-jährigen Schüler, der am 20.November 2006 in Emsdetten bei einem Amoklauf in seiner ehemaligen Realschule mehr als drei Dutzend Menschen schwer verletzte und sich danach selbst erschoss. Auf der Bühne spielt das eine Frau. Greis verkörpert einen Wut-Würgeengel in schwarzem Kapuzenpullover, der sich in Generalangriffen gegen die ganze Menschheit verliert. Ausweg: Tod. Erst als sie von Mobbingerfahrungen erzählt, dringen die zuvor eindimensionalen Klagerufe tiefer ins Bewusstsein des Publikums. Bestürmt von Videoinstallationen fühlt man sich als Zuschauer von der dargestellten Ohnmacht wie gelähmt.

Weniger ausweglos wirkt der zweite Monolog: "Out! - Gefangen im Netz" von Knut Winkmann erzählt von Cyber-Mobbing, das am Ende überwunden und sogar in Zivilcourage umgeformt wird. Julius Robin Weigel spielt einen Kripo-Beamten, der vor gefakten Videos und unlöschbaren Daten im Internet warnt und von seiner Schwester Vicky erzählt, die Mobbingopfer in den Sozialen Medien wurde. Er spricht das Publikum direkt an "Redet mit ihr! Von Face-to-face!" Seine Botschaft kommt an: Schaut nicht weg bei Mobbing, sondern schreitet ein und helft! "Out! - Gefangen im Netz" wird auch als Klassenzimmerstück aufgeführt.

Ostsee-Zeitung, 8/9.4.2017