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Männerhort

Komödie von Kristof Magnusson

Termine

  • 18.04.2017 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 20.04.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 25.05.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 28.05.2017 18:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 05.06.2017 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 07.06.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen

"Hier ist der einzige Ort, wo wir Männer ganz unter uns sein können."

 

Rückzugsort: Heizungskeller! Denn wo kann der Mann noch Mann sein, wenn nicht in den Katakomben eines Einkaufszentrums? Dorthin flüchten sich an jedem Samstag drei Leidensgenossen auf der Suche nach Rettung vor ihren shoppingwütigen Frauen. Sie sind keineswegs Underdogs: Lars ist Führungskraft, Eroll Software-Entwickler, Helmut Pilot.

Dosenbier und Pizza, Fußball live und das Fachsimpeln über technische Wunderwerke wie Schlagbohrmaschine und Multifunktionstools sowie erträumte Inselabenteuer mit Traumfrauen aus Hochglanzmagazinen bestimmen ihre Idylle. Doch die wird empfindlich gestört, als die Brand- und Rettungswache Südwest, Mario Breger, ihren Hort der Männlichkeit entdeckt und droht, sie zu verraten …

Hier finden Normaltypen des modernen Lebens zusammen, widerstehen den Widrigkeiten des männlichen Daseins in heroischen Wortgewittern und lernen in tragisch-komischen Situationen auch ihre Schwächen einzugestehen. Denn was wären Männer, wenn sie immer nur hart und überlegen sein müssten?

 

2005 uraufgeführt, hat sich das Stück des isländisch-deutschen Autors Kristof Magnusson zu einem echten Kassenschlager entwickelt, der schon an über 30 Bühnen gespielt wurde. 

PRESSESTIMMEN

Geschlechterkampf im Untergrund

Am Theater Vorpommern hatte „Männerhort“ von Kristof Magnusson Premiere. Eine lebhafte Theatershow über den Untergang der Rollenklischees – mit versöhnlichen Zügen.

Pardon, das Stück auf der Stralsunder Bühne handelt ja von Männern. Allerdings davon, wie sehr die Ärmsten unter ihren Ehefrauen leiden.
Vor deren hemmungslosem Shopping- Wahn flüchten sich drei Männer in ein wahrhaft unterirdisches Refugium: in den„Männerhort“, einen ausgedienten Heizungskeller unterm Shopping-Paradies.

[...]Die Komödie „Männerhort“ des isländischstämmigen Berliners Kristof Magnusson (38) erweist sich seit elf Jahren als Publikumsrenner. Auf über 80 Bühnen lief sie, darunter vor vier Jahren an der Vorpommerschen Landesbühne in Anklam und Zinnowitz. Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal zog jetzt Regisseur Jonas Hien (34) alle Register einer launigen Theatershow.

[...]Der Männerhort im Untergrund – ein verlorener Posten. Als eleganter Action-Comedian tänzelt Marco Bahr in der Rolle des Lars über die Bühne, in schwungvollen Angeber-Posen (Führungskraft, Frauenheld, Smartphone-Virtuose), turnt gar über Zuschauerstühle durch alle Reihen – auf Frauen- >Schau („Ich liebe euch alle“).

Ganz anders Jan Bernhardt als nervöser Helmut, der mit der Erfindung des Männerhorts vor der eigenen Krise flieht: Seinen Piloten-Job hat er lange verloren, aber zu Hause nichts verraten, so dass Ehefrau Alexis shoppend die Schuldenberge auftürmt. Sören Ergang gibt einen impulsiven Eroll, dessen inneres Brodeln schnell mal zum Ausbruch führt: ein Software-Autor, der von der Entschlusskraft Hemingways träumt und lernen muss, wie es schmerzt, wenn seine Conny richtig zurückschlägt.

Der vierte im Bunde ist Alexander Frank Zieglarski als Feuerwehrmann Mario, der Brachial-Macho unter den Machos: Ausgerechnet er zieht schließlich im Frauenkleid zur Erkundung der weiblich-feindlichen Absichten ins Shopping-Paradies aus.

Von Dietrich Pätzold

OZ Kultur vom Sam, 5. April 2014

Panoptikum der Männlichkeitsrituale

Männerhort – Jonas Hien inszeniert Kristof Magnussons Erfolgskomödie am Theater Vorpommern

Stralsund, 3. April 2014. Ein Erfolgsstück. Erbarmungslos in seinen Klischees und seiner Sucht nach Pointen. Wer hier nicht lacht, der denkt zu viel nach. Aufgeführt auf bereits mehr als 60 Bühnen, und die Verfilmung kommt im Herbst heraus. Mit Elyas M'Barek, Christoph Maria Herbst, Detlev Buck und Cosma Shiva Hagen.

[...]Regisseur Jonas Hien, selbst auch Schauspieler und als solcher u.a. im Tross des Komödienspezialisten Herbert Fritsch aktiv, läßt im kleinen Gustav-Adolf-Saal in der Stralsunder Kulturkirche St. Jakobi seine Schauspieler buchstäblich auf die Zuschauer los. Sie spielen nicht nur vor, sondern gehen ans Publikum ran, sprechen es an, klettern auch mal mit Liebesbeteuerungen durch die Reihen. Vor allem aber gibt Hien dem Abend eine Form, die konsequent akzeptiert, dass Magnussons Figuren weit von jeder Realität entfernt sind. Der Klamauk ist bei ihm und seinen sich körpersprachlich entfesselnden Schauspielern ein bewusstes und zugleich ironisches Zitat. Weniger aus den Texten als aus dem übersteigerten Emotionsspiel kommen die Effekte. Statt Sprachpointen gestische Veräußerlichungen. Zu sehen ist kein psychologisches Spiel, sondern eine wilde Choreographie der Körper auf engstem Raum. Das nähert sich in seinen gelungenen Sequenzen einer Fernsehcomedy.

[...]Die Schauspieler werfen sich auf der winzigen Bühne zwischen den silbernen Heizungsrohren geradezu in ihre Rollen. Jan Bernhardt gibt den (längst entlassenen) Piloten Helmut als stolzen Männerhort-Erfinder, der sich zugleich stolz und wie mit hängenden Schultern bewegt, während der Software-Entwickler Errol von Sören Ergang als ein schnell in die Aggressivität getriebener, unsicherer Mann mit schriftstellerischer Sehnsucht (wie Hemingway sein!) gespielt wird. Marco Bahr dreht und wendet sich tänzerisch als die Führungskraft Lars und dekonstruiert seine vom Testesteron bestimmte Figur. Wenn er von seiner mit Selbstmord drohenden Frau angerufen wird, erklingt als Handyton das schrill drohende Geräusch aus Hitchcocks Psycho, und wenn sich auf seinem anderen Telefon die Internet-Fick-Bekanntschaften melden, tanzt er aufschneiderisch zu dessen Lambada-Ton. Während Alexander Frank Zieglarski den Feuerwehrmann sehr schön als handfesten, einfach gestrickten Mann gibt, der seine Unsicherheit hinter kraftvollem Auftreten zu verbergen sucht.

Es gibt einige sehr schöne Szenen. Zum Beispiel, wenn die Männer trainieren, wie sie sich beim Einkaufsbummel verständnisvoll verhalten können, oder, natürlich, wenn ein Mann sich für einen Erkundungsgang als Frau verkleidet. Kabarettistischer Höhepunkt ist der Versuch zweier Männer, sich zu zweit auf dem Sofa zum Schlafen hinzulegen. Regisseur Jonas Hien bringt die Klischees des Autors immerhin in szenische Bewegung und lässt ihnen mit seinen medialen und körpersprachlichen Übersteigerungen zugleich etwas die Luft heraus. Und wie aus den Imponiergehabe-Männern Schlapp-Schwänze werden, die schließlich kleinlaut zu ihren Frauen zurück schleichen, das macht die Inszenierung sehr schön deutlich.

So sitzt man mit etwas diffusen Reaktionen vor dieser Inszenierung. Das Stück gerettet hat sie nicht, aber doch einige schauspielerisch schöne Momente gebracht.

von Hartmut Krug

nachtkritik.de vom Fre, 4. April 2014