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La Bohème

Oper in vier Bildern
von Giacomo Puccini
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach dem Roman „Scènes de la vie de Bohème“ von Henri Murger
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Termine

Bitterkalt ist es am Weihnachtsabend in der Pariser Wohnung vierer befreundeter Künstler. Wieder einmal herrscht so große Not, dass weder Geld für Essen noch für die Miete da ist. Nur der Musiker Schaunard hatte heute Glück und lädt zur Feier des Tages ins Stammcafé ein. Der Dichter Rodolfo schickt die drei Herren voraus, um noch zu arbeiten, als es an der Tür klopft. Es ist die Nachbarin, Mimì, die ihn um Feuer für ihre verloschene Kerze bittet ... So beginnt eine der anrührendsten Liebesgeschichten der Opernliteratur, denn die Beziehung steht von Anfang an – und nicht zuletzt aufgrund von Mimìs schwerer Krankheit – unter einem unglücklichen Stern. Was würde Rodolfo darum geben, wenn sich doch bloß die Uhr zurückdrehen ließe in eine Zeit der Leichtigkeit und Unbeschwertheit!
Sein eigenes Leben als „Bohemien“ hatte Puccini mit der ärmlichen Studentenzeit in Mailand hinter sich gelassen, doch interessierten ihn seither die „einfachen Leute“, die Darstellung „großer Gefühle in kleinen Herzen“. Mit musikalisch-realistischen Mitteln zeichnet er Bilder von Menschen in ihrem Milieu, die sich nach Freiheit und Lebendigkeit sehnen, deren Träume jedoch durch die alltäglich zu bewältigenden Konflikte in der harten Realität mehr als zerbrechlich erscheinen.


Extras in Zusammenarbeit mit dem

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald:

Abendvortrag von Prof. Dr. Volker Mertens ENTFÄLLT
"Süßes und bitteres Leben in Paris. Wie Puccini Klischees verzaubert"
24. November 2018, 18.00 Uhr, Krupp-Kolleg EINTRITT FREI!

Sonder-Matinee mit Podiumsdiskussion
Experten diskutieren über Fragen rund um die Musik, die literarische Vorlage sowie die Dramaturgie der Puccini-Oper und geben einen Ausblick auf die Inszenierung am Theater Vorpommern.
Auf dem Podium erwarten Sie der musikalische Leiter GMD Dr. Florian Csizmadia, der Regisseur Horst Kupich und der Bühnen- und Kostümbildner Christopher Melching. Im Anschluss sind Sie herzlich eingeladen, mit den Podiumsgästen über Puccinis Meisterwerk ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung moderieren Dr. Christian Suhm (wissenschaftlicher Geschäftsführer des Krupp-Kollegs) und Stephanie Langenberg (Dramaturgin).
25. November 2018, 11.00 Uhr, Theater Greifswald (Foyer)  EINTRITT FREI!

 

 

 

 

Angebote der Theaterpädagogik:

Materialmappe, Workshops zur Vor- und Nachbereitung, Premierenklasse, Vorschau für Lehrer*innen, Gespräche, Theaterwerkstatt

 

Theaterwerkstatt

Mi, 28.11. / 18-19.30 Uhr / Theater Greifswald

Mi, 12.12. / 18-19.30 Uhr / Theater Stralsund

 

Information zu den übrigen Formaten

Kontakt Theaterpädagogik: Sabine Kuhnert

PRESSESTIMME

„La Bohème“ im Hippie-Look

Modern und energetisch hat Regisseur Horst Kupich die Puccini-Oper am Theater Vorpommern inszeniert. Sonnabend hatte sie Premiere in Greifswald.

Lange Matte, Stirnband und Schlaghosen: Es ist ein vergleichsweise modernes Gewand, in das Regisseur Horst Kupich die Protagonisten der Oper „La Bohème“ in seiner Inszenierung am Theater Vorpommern gehüllt hat. Am Sonnabend feierte das wohl bekannteste Werk von Giacomo Puccini Premiere in Greifswald.

Für Regisseur Horst Kupich ist es bereits das dritte Mal, dass er jene Oper, die vielen als Meisterwerk Puccinis gilt und zum Standard-Repertoire vieler Häuser gehört, auf die Bühne bringt. Zuletzt inszenierte er „La Bohème“ 2011 für die Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Dabei hat sich der Regisseur zeitlich immer weiter vorgetastet und die Oper, die im Paris um das Jahr 1830 spielt, zuerst ins 19., dann ins 20. Jahrhundert verlagert. Die aktuelle Produktion dürfte zugleich die revolutionärste sein, um das Lebensgefühl der Bohemians zum Ausdruck zu bringen, dafür hat Kupich die 70er Jahre gewählt: eine Zeit des Aufbruchs, politisch wie künstlerisch.

Und doch ist es weniger der große politische Ansatz, den Kupich verfolgt. Es sind die kleinen Dinge, der „große Schmerz in kleinen Herzen“ (Puccini) der einfachen Leute aus den unteren sozialen Schichten, den Puccini wie mit einem Vergrößerungsglas untersucht, und den auch Kupich in den Fokus der Inszenierung rückt.

Die Handlung ist schnell erzählt: Protagonisten sind der Dichter Rodolfo (ausdrucksvoll gespielt von Karo Khachatryan), der Maler Marcello (Alexandru Constantinescu), der Musiker Schaunard (Maciej Kozłowski) und der Philosoph Colline (Andrey Valiguras). Sie sitzen zu Weihnachten frierend in ihrer Pariser Wohnung. Einzig Schaunard hat Geld verdient und lädt die Freunde ins Café Momus zum Essen ein. Rodolfo bleibt zurück, weil er noch arbeiten will, und ist erfreut, als Nachbarin Mimì (Gunta Cese) an die Tür klopft und um Feuer für ihre erloschene Kerze bittet. Es entspinnt sich eine Liebesbeziehung, deren Tragik erst deutlich wird, als Rodolfo erfährt, dass Mimì todkrank ist.

Kupichs Figuren sind liebevoll gezeichnet. Auch, wenn Habitus und Kostüme hin und wieder ein wenig plakativ und schrill wirken, gelingt es dem Regisseur gut, die Seelenzustände der verzweifelten Künstler herauszuarbeiten. Dichter Rodolfo hat eine Schreibblockade, Maler Marcello beschäftigt sich täglich erfolglos aufs Neue mit seinem Gemälde des „Roten Meeres“, Philosoph Colline zieht sich immer weiter zurück und Musiker Schaunard, der weniger mit seiner Musik, sondern eher mithilfe von Tricks an Geld kommt. Der tägliche Überlebenskampf wird verdrängt durch ausufernde Partys, die bei Kupichs Inszenierung auch schon mal im Kokainrausch enden.

Der Regisseur zeichnet ein Bild der Künstler als Egoisten, als Selbstdarsteller, unfähig, Empathie zu empfinden. Und so ist Rodolfo mit Mimìs Krankheit völlig überfordert und es kommt zur Trennung. Erst Mimìs Tod bringt die Protagonisten zum Nachdenken. Trotzdem bleibt die Botschaft: Im Grunde stirbt jeder allein. Eine Botschaft, die in einer Gesellschaft, in der man droht, mit Empathie auf der Strecke zu bleiben und der Tod fast systematisch ausgeklammert wird, aktueller ist, denn je. Kupichs Inszenierung ist modern, frisch und energetisch, was nicht zuletzt an dem jungen Ensemble liegt. Untermauert wird das vom imposanten Bühnenbild. Zugute kommt der Inszenierung ebenfalls, dass sie in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln aufgeführt wird, so dass sich die Musik, die zwischen lyrisch-sentimentalen und humorvollen, lebendigen Partien wechselt (vorgetragen vom Opernchor, dem Extrachor, dem Kinder- und Jugendchor des Theaters Vorpommern und dem Philharmonischen Orchester Vorpommern unter Leitung von GMD Florian Csizmadia), voll entfalten kann.

Stefanie Büssig, Ostsee-Zeitung