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Die letzten fünf Jahre

Kammermusical mit Text und Musik
von Jason Robert Brown
Originalproduktion in New York
von Arielle Tepper und Marty Bell
Originalproduktion durch Northlight Theatre, Chicago
Deutsch von Wolfgang Adenberg

Termine

  • 04.12.2018 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 31.01.2019 20:00 Uhr Rubensowsaal (Stadthalle), Greifswald
  • Premiere
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  • 06.04.2019 19:30 Uhr Putbus Karten kaufen

Cathy und Jamie beginnen als hoffnungsvolles Künstlerpärchen. Doch während Jamies Erfolg als Schriftsteller ihn schnell die Karriereleiter empor katapultiert, quält sich Catherine von einem Vorsprechen zum anderen. Aber sie haben ja einander. Wirklich? Irgendwo auf ihrem Weg müssen sie sich verloren haben. Und nun versucht Catherine, die Vergangenheit festzuhalten, dieweil Jamie längst schon wieder nach vorne schaut. Das ist das Ende ihrer Beziehung – oder ihr Anfang?

Jason Robert Browns musikalisches Kammerspiel besticht durch einen ausgeklügelten Perspektiv- und Zeitwechsel, der einen tiefen Blick in die Seele der Protagonisten erlaubt. Die handlungstragende Kraft der Songs, die ihre Lyrik aus  südamerikanischer Rhythmik gepaart mit Jazzelementen beziehen, lässt den Zuschauer dieses Kammermusical über Gestern und Heute, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Freiheit und Sicherheit hautnah miterleben.

 

PRESSESTIMME

Von Glück und Scheitern einer großen Liebe


Es darf auch mal einige Nummern kleiner sein! Wie Donnerstagabend, als im Gustav-Adolf-Saal der Stralsunder Kulturkirche St. Jakobi und verantwortet vom Theater Vorpommern, Jason Robert Browns Kammermusical „Die letzten fünf Jahre“ mit nur zwei singenden Protagonisten und einem Pianisten über die Bühne ging.

2001 in Chicago uraufgeführt, hat das Werk wohl zunächst eine längere und etwas holprige Wegstrecke zurücklegen müssen, ehe es – wie zu lesen – zu einem Welterfolg wurde. Und der ist nun in Vorpommern zu besichtigen: Inszeniert von Wolfgang Berthold (als Gast), dramaturgisch betreut von Katja Pfeifer, in Kostüme und auf die Bühne gebracht von Eva Humburg sowie am Klavier realisiert von Egbert Funk.

Thematisch geht es um das Scheitern einer jungen, großen Liebe, die die Konstellation von steiler Karriere des Schriftstellers Jamie Wellerstein und der weitaus weniger erfolgreichen Schauspielerin Cathy Hiatt nicht aushält und – so ungewollt wie tragisch – zerbricht. So weit, so normal. Brown aber erzählt diese Geschichte einfallsreich auf zwei Ebenen gleichzeitig: Hiatt vom Ende her, Jamie von vorn. Zeitgleichheit und Übereinstimmung stellen sich dabei nur ein einziges Mal her, und das als Höhepunkt der Beziehung, zur Hochzeit nämlich.

Damit schafft Brown textlich wie musikalisch kontrastierende Situationen und garantiert eine 90 Minuten anhaltende Spannung. Sie speist sich aus bewährten musiktheatralischen Zutaten, mit denen die Protagonisten Jasmin Eberl (Hiatt) und Semjon Bulinsky (Jamie) schauspielerisch wie sängerisch allerdings auch professionell umgehen – als bewegtes und bewegendes Kammerspiel, heftig pulsierend zwischen sehnsuchtsvoller Schwärmerei, unbeschwert fröhlicher Ausgelassenheit und einer Leidenschaftlichkeit, die neben den Glücksgefühlen über ihre bis zum Ende anhaltende Liebe von immer durchscheinender bis dann prägender Tragik ihres Scheiterns bestimmt wird.

So klein der Bühnenraum, so individuell und intim das Geschehen. Eine bühnenmittig aufsteigende Treppe, ein Koffer, Kleiderständer und für Erinnerungsmomente genutzte, hängende Leuchtseile bieten Entfaltungsmöglichkeiten für ein raumfüllendes, vor allem aber auch sängerisch so anspruchsvolles wie geradezu obsessiv präsentiertes Agieren. Browns Musik spart da nichts aus. Sie kombiniert souverän und stilistisch variabel die musiksprachlichen Errungenschaften des amerikanischen Musicals, nutzt die (eigenen!) Texte zu rhetorisch prägnanter, technisch gar brillanter, aber immer sehr gefühlvollen Vertonung, ohne durchaus naheliegender Gefälligkeit oder unverbindlicher Beliebigkeit zu verfallen.

Das verhinderten schon die schwer geforderten, aber überzeugenden Jasmin Eberl und Semjon Bulinsky sowie Egbert Funk als weiterer Held des Abends: pausenlos Dauerbeschäftiger mit den richtigen Händchen fürs sehr spezielle, gefühlvolle Klavierspiel. Der guten Dinge waren drei! Und dafür gab es viel Beifall.

Ekkehard Ochs, Ostsee-Zeitung