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Der Bettelstudent

Operette von Carl Millöcker Libretto von Friedrich Zell und Richard Genée nach der Komödie „Fernande“ von Victorien Sardou

Termine

  • 31.10.2015 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • 13.11.2015 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • 12.12.2015 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • 20.12.2015 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald

Einen Schlag mit dem Fächer musste Ollendorf hinnehmen, und das vor allen Ballgästen! Dabei hatte er die schöne polnische Komtesse Laura Nowalska doch nur auf die Schulter geküsst. Der sächsische Oberst ist gekränkt und sieht sich in seiner männlichen Ehre verletzt. Die stolze Laura hat einen Besseren verdient? Na, den kann sie haben! Auf Rache sinnend, führt Ollendorf den mittellosen Studenten Symon – als Fürsten ausstaffiert – in die feine Gesellschaft ein. Der Gräfin Palmatica kommt er gerade recht, schließlich nagen sie und ihre beiden Töchter schon seit langem am Hungertuch! Und Laura? Sie lässt sich den Kopf verdrehen – und verliebt sich nicht nur in den „Fürsten“, sondern schließlich in den Menschen Symon. Damit hatte Ollendorf nicht gerechnet. Am Ende muss er gar noch mit ansehen, wie seine eigene Macht durch die Intrige ins Wanken gerät …

Vor nicht ganz historisch wahrem Hintergrund entspinnt sich die heiter-revolutionäre Handlung des „Bettelstudenten“ im unter sächsischer Fremdherrschaft stehenden Krakau zur Zeit Augusts des Starken. Millöckers Musik sprudelt vor einer Fülle reizender melodischer Einfälle, von denen nicht nur Symons Loblied auf die schönen Polinnen „Ich knüpfte manche zarte Bande“ und Ollendorfs Couplet „Schwamm drüber“ volkstümlich geworden sind. Ein klassisches Meisterwerk der Wiener Operette.

Wiederaufnahme ab 31. Oktober 2015

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„Die Ehʼ macht dann erst Spaß der Frau, gehorcht der Mann genau …“

PRESSESTIMMEN

Auf die Schulter geküsst - Beifall für "Bettelstudent"

Greifswald- Er küsst sie. Sie antwortet mit einer Watsche. Das passiert manchmal bei resoluten Persönchen oder wenn einer wie Oberst Ollendorf so unsensibel wie ein Berserker vorprescht, um sich an ein Fräulein von Adel heranzumachen. Öffentlich, in der Oper, hat er sich eine gefangen, mit dem Fächer, von der Tochter der Gräfin Nowalska, weil er ihr unerlaubt auf die Schulter geküsst hat. Bis auf die Knochen blamiert. So einen Schlag könnte man auch einfach so hinnehmen. Nicht aber der Oberst, dem mal eine Kugel durchs Gehirn gegangen war, behauptet er alles entschuldigend. Vielleicht liegt's also an dem Dachschaden. Er sinnt jedenfalls auf Rache. Es dürstet ihn nach "Satisfaktion" und wenn er das nicht täte, gäbe es eine der erfolgreichsten Operetten der Musikgeschichte nicht. Denn welches Lied hat man sogleich auf den Lippen? "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst." Und so schlicht das Gemüt des Oberst, so gewitzt ist der Bettelstudent. Bildung lohnt sich also. Am Samstagabend hatte "Der Bettelstudent" Premiere im ausverkauften Greifswalder Haus. Sicher könnte man auch über inhaftierte Studenten und eine unterdrückende Staatsmacht etwas tiefgründiger an die Sache ran. Aber die Inszenierung von Horst Kupich ist so komödiantisch, wie die Operette von Carl Millöcker 1882 einst gemeint war. In der Glanzzeit der Operette schlechthin war dies auch noch von der ersten Aufführung an eine der beliebtesten Operetten überhaupt. Das Libretto sprüht vor Humor und die Musik ist eine Mischung aus schwankenden Walzern, schmissigen Märschen, Couplets und schmalzigen Duetten. Und so ist Kupich auch an die Sache herangegangen. Durch die Seitentüren drängeln sich in der ersten Szene die Damen vom Opernchor - Polinnen, ziemlich frech und vor allem laut, die ihre Männer im Gefängnis besuchen wollen. Der Sächsische König August hält Polen besetzt und Tye Maurice Thomas lässt die aufgewühlte Schar als Gefängsniswächter also bräsig und im breitesten Sächsisch auflaufen. Als Oberst Ollendorf ist an diesem Abend Thomas Rettensteiner vom Publikum stürmisch gefeiert worden. Stimmlich und darstellerisch war Rettensteiner der absolute Mittelpunkt des Abends. Fast jede Szene oder Arie bekam Szenenapplaus. Doris Hädrich-Eichhorn als Gräfin Nowalska war ein großes Vergnügen, Anna Wagner als Bronislawa und Johannes Richter als Graf Opalinski beförderten sich im Fortissimo sauber in den siebten Himmel. Das Hauptpaar Julie Martin du Theil als Laura und Dennis Marr als Symonowicz, der goldglänzend mit weißgüldenem Haar, dem Gefieder eines Paradiesvogels, in schwere Not geriet, weil er aus dem Rachespiel aussteigen wollte. Die beiden waren stiller, aber auch authentischer als das stürmische Nebenpaar. Bühne und Kostüme von Ella Späte sind eine fulminante Mischung aus Folklore und Farbe und Späßen. Obst-Etageren und Blumenkörbchen als Kopfschmuck, berittene Sachsen, Pferdeäpfel absondernd, kleine Gags, Symbole, visuelle und inhaltliche Anspielungen. Das Orchester unter der Leitung von Henning Ehlert spielte mit sagenhaftem Schwung Volkstänze, Chöre und Blasmusik, Operettengeschnösel und Walzer, zarte Duette und sanfte Liebesreigen. Am Ende geht in dieser Operette ja das Absurdeste noch auf und findet seine Richtigkeit. Und die gute Laune, die das verspricht, sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

Ostseezeitung, 29.11.2014 von Juliane Voigt

Armer Bettelstudent fliegt im Helikopter nach Krakau

Stralsund- Im Jahr 1704 ächzt das polnische Krakau unter sächsischer Fremdherrschaft. Im Gefängnishof der Krakauer Zitadelle erwarten polnische Aufständische ihre Frauen, die ihnen als Mitbringsel getarnte Werkzeuge für einen Fluchtversuch bringen wollen. Plötzlich dringen die Frauen lärmend über die Seitentüren des Theatersaals ein und sorgen für den ersten orginellen Regieeinfall, der am Freitagabend die Premierengäste von Carl Millöckers Operette "Der Bettelstudent" überrascht. Die Frauen stürmen die Bühne und werden vom herrlich sächselnden Kerkermeister Enterich, witzig dargestellt vom Deutsch-Amerikaner Tye Maurice Thomas, an der Gefängnisschranke zur Kontrolle gestoppt. Plötzlich kommt Oberst Ollendorf, Gouverneur von Krakau, angeritten. Der wütende Oberst, eine Glanzrolle für Thomas Rettensteiner, berichtet vom Ball, bei dem ihm die schöne Laura ( Julie Martin du Theiß als Gast), Tochter eines Adelshauses, ihren Fächer ins Gesicht schlug, nur, weil er ihr die Schulter geküsst hat. "Ach, ich hab' sie ja nur auf die Schulter geküsst", die bestens bekannte Operettenmelodie folgt, und der Oberst sinnt auf Rache. Sein Plan: Ein bettelarmer Student, verkleidet als milionenschwerer Fürst Wybicki, soll der Tochter aus verarmten polnischen Adel den Kopf verdrehen. Der Gefangene Symon (Dennis Marr) und sein Kumpel Jan (Johannes Richter) müssen den Fürsten und seinen Assistenten mimen. Mit Helikopter, angeblich aus Warschau kommend, landen beide auf dem Krakauer Marktplatz. Operndirektor Horst Kupich hat Spaß daran, die historische Handlung mit modernen Statussymbolen zu konterkarieren. So streicht der fürstliche Assistent Jan stets über sein Touchpad, um Termine seines Herren zu koordinieren. Dem Publikum gefiel die erfrischende Umsetzung des alten Operettenstoffes. "Die tänzerische Leistung des Chores war hervorragend und verlieh der Aufführung einen dynamischen Akzent", so Premieren- Abonnentin Katrin Lehm. Brigitte Pfeiffer gefielen dagegen die Anspielungen auf die Jetztzeit und betonte: "Der Helikopter und der sächselnde Kerkermeister waren ziemlich witzig".

Ostseeteitung, 22.12.2014 von Christian Rödel