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Così fan tutte

Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo da Ponte
Deutsch von Bettina Bartz und Werner Hintze

Termine

  • 06.11.2015 19:30 Uhr Putbus
  • 15.11.2015 18:00 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • 04.12.2015 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund

Tränen, Seufzer, Liebkosungen, Ohnmachtsanfälle ….

Entschuldigt, aber da muss ich lachen!

 

Perfekte Harmonie im Doppelpack: Für die Schwestern Dorabella und Fiordiligi gibt es nur noch Ferrando und Guglielmo, ewige Liebe und ewige Treue. Doch ewig ist nichts auf der Welt – schon gar nicht die Liebe. Und so stellt Don Alfonso gleichermaßen spöttisch wie philosophisch die These in den Raum, dass Frauen nicht treu sein können. Ferrando und Guglielmo sind zum Antritt des Gegenbeweises bereit und beginnen nun in aberwitzigen Verkleidungen sich der Freundin des jeweils anderen zu nähern. Was als frivoles Abenteuer beginnt, schlägt schnell um in ein Spiel mit dem Feuer. Unter den Füßen der Protagonisten beginnt der Boden zu schwanken; Liebe, Treue und Vertrauen müssen neu gefunden, neu definiert werden. Die alte Ordnung ist außer Kraft gesetzt.

Mozart komponierte im Revolutionsjahr 1789 mit „Così fan tutte“ seinen ganz eigenen Sturm auf die Bastille und stellt damit bis heute erfolgreich alle vermeintlich feststehenden Werte in Frage. In der Liebe und im Krieg ist eben alles erlaubt.

Wiederaufnahme am 27. September 2015

PRESSESTIMMEN

Mozart im Heute - Plädoyer für Offenheit
Theater Vorpommern präsentiert 'Cosi fan tutte' in Stralsund.

Es darf durchaus an Bertolt Brecht und seine Parabel vom auch im geflickten Zustand immer zerrissen bleibenden Strick gedacht werden, wenn man, wie am Theater Vorpommern, Mozarts 'Cosi fan tutte' im Blick hat. So wäre der Komponist zu verstehen, wenn die Geschichte von der anmaßend inszenierten Wette um die angebliche Treulosigkeit der Frauen nicht nur billig amüsieren soll. Geht es hier doch um Moral, Konventionen und Tabu-Brüche, um neue, schmerzliche Selbsterkenntnisse und unerwartete Problemlösungen. Das ist auch die Sicht Horst Kupichs, der seine vorgestern in Stralsund auch auf offener Bühne immer wieder lautstark gefeierte Inszenierung als zeitlos gültig im Ambiente der vergangenen 50er Jahre ansiedelt. Die Ausstattung übernahm Christopher Melching.

Liebe, Treue und Untreue, wankende Grundsätze, Neujustierung von Werten und Erfahrungen passen nur zu gut auch auf moderne junge Ladys und sportliche Machos mit Lederjacke und Sonnenbrille. Im Übrigen hat man sich - flott im Tempo und komödiantisch leicht - allerhand einfallen lassen, um die etwas unorthodoxere szenische Glaubwürdigkeit zu sichern; nicht ohne gelegentlich drastischen Aktionismus, aber in sich stimmig. Dramaturgisch besitzen die Protagonisten deutliche Profile (Katja Pfeifer), was der Stringenz und Brisanz einer von Wissenden, Halb-Eingeweihten und gänzlich Ahnungslosen geprägten Handlung zusätzliche Spannung verleiht, bis hin zur unerwarteten Katastrophe: Die so arglistig getäuschten und in ihren echten Empfindungen verletzten Mädels pfeifen auf Versöhnung - und gehen!

Dies alles passte zu Mozart und prägte die mit stimmlicher Souveränität, Verve und expressiver Gestaltungskraft durchweg fesselnde Premiere: Linda van Coppenhagen (Fiordiligi) und Anna Wagner (Dorabella) als virtuos kokett bis hochdramatisch agierende 'Bräute', ihre Partner Alexandru Constantinescu (Guglielmo) und Dennis Marr (Ferrando) in nicht weniger spritzig buffonesken bis gefühlvollen Rollen, Anette Gerhard als flott parlierendes, recht eigennützig mitmischendes 'Faktotum' Despina und Tye Maurice Thomas mit dem Image des unbeholfen poltrigen Strippenziehers Alfonso. Das Philharmonische Orchester Vorpommern hatte keine Mühe, mit inspiriertem, dynamisch lebendigem Spiel eine der schönsten Partituren Mozarts zu überzeugendem Klingen zu bringen.

Ostsee-Zeitung, 27.4.2015 von Ekkehard Ochs