Zerbombt
Stück von Sarah Kane
Deutsch von Nils Tabert
- Inszenierung: Jan Böde
- Bühne und Kostüme: Dieter Böde
- Dramaturgie: Anja Nicolaus
Wiederaufnahme
Mit der Uraufführung von "Zerbombt" (Blasted) 1995 in London entfachte Sarah Kane (1971-1999) einen Theaterskandal, der die Boulevardpresse ebenso beschäftigte wie die Feuilletons renommierter Zeitungen. Die Bandbreite der Urteile reichte von Beschimpfungen als Perversität bis hin zu literarischen Auszeichnungen. Die junge englische Autorin hatte mit einem Stück überrascht, das ein allgegenwärtiges Thema zum künstlerischen Sujet erhebt und zu einer Auseinandersetzung zwingt: menschliche Gewalt. Schonungslos brutale Bilder zeigen gewalttätige Menschen; eine unvermutet poetische Sprache zeigt ihre Verletzbarkeit und ihre tiefsten Sehnsüchte.
Ian, ein krebskranker Journalist, und Cate, seine frühere Geliebte, treffen sich in einem Hotelzimmer. Sie sucht Nähe, er will mit ihr schlafen, sie weigert sich, er vergewaltigt sie. Draußen tobt ein Bürgerkrieg, eine Granate zerstört die Privatheit. Ein Soldat stürmt in das Hotelzimmer. Aber er ist kein Retter. Er ist verletzt und er ist gewalttätig. Drei Menschen - drei beschädigte Leben - und ein Kreislauf der Gewalt, in dem eine Unterscheidung in Täter und Opfer kaum möglich ist. Für Sarah Kane die Jagd nach einer tiefen Hoffnung: "Wenn Menschen nach verstörenden Erfahrungen immer noch lieben können, dann ist die Liebe die größte Macht."
Sarah Kane (1971-1999) studierte an den Drama Departments der Universitäten Bristol und Birmingham. Die Uraufführung ihres Debütstücks "Zerbombt" geriet in England zu einem der größten Theaterskandale der letzten dreißig Jahre und etablierte Sarah Kane zugleich als eine der wichtigsten Dramatikerinnen der 90er Jahre. Außerdem arbeitete sie als Regisseurin und inszenierte am Londoner Gate Theatre die Uraufführung ihres zweiten Stücks, "Phaidras Liebe", und Georg Büchners "Woyzeck". "Du musst in der Phantasie zur Hölle fahren", sagte sie einmal, "um zu vermeiden, dass du in Wirklichkeit dort endest. Wenn wir etwas durch Kunst erfahren können, sind wir vielleicht in der Lage, unsere Zukunft zu verändern, weil uns die Erfahrung durch Leiden eine Lehre ins Herz schreibt". In den Höllen ihrer aus gesellschaftlicher Wirklichkeit entsprungenen Phantasien lebend, hat ihr selbst die Entlastung durch das "Ritual" der Kunst auf Dauer nicht helfen können. Sarah Kane erhängte sich, gerade 28 Jahre alt, am 20. Februar 1999 in der Nervenklinik.
| Ian | Jan Bernhardt |
| Cate | Elke Zeh |
| Soldat | Katja Klemt |