Theaterleben - Theater erleben

Ein Bericht für eine Akademie / Rattenjagd

Monolog für einen Schauspieler nach einer Erzählung von Franz Kafka /
Schauspiel von Peter Turrini nach Motiven von Willard Manus (Fassung des Ensembles)


Wiederaufnahme


In „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka schildert der ehemalige Affe Rotpeter die merkwürdige Geschichte seiner Menschwerdung. Packend führt er einem gelehrten Auditorium die Etappen seines Anpassungsprozesses vor Augen: Eine Jagdexpedition der Firma Hagenbeck hat das wilde Tier an der Goldküste eingefangen und im Käfig nach Europa transportiert, um es im Zoo auszustellen. Doch schon bald fällt der Affe durch seine enorme Gelehrsamkeit auf, er lernt sprechen und nimmt menschliche Umgangsformen an. Doch mit bitterer Ironie ist dem Text der Schmerz der Kreatur eingeschrieben – der selbst dann nicht vergeht, wenn die Anpassung gelungen ist, das Gedächtnis gelöscht und die alte Identität aufgehoben. Eine Satire auf die abendländische Geschichte der Zivilisation, deren verwitterter Schauplatz die Gegenwart ist.

Peter Turrinis „Rattenjagd" (Rozznjogd) ist ein grotesk-parabelartiger Kommentar auf die Konsumgesellschaft. Eine Müllhalde am Rande einer Großstadt wird zur Stätte eines Austrittsrituals aus der Gesellschaft. Ein junger Mann und eine junge Frau sind hierher gekommen, um die Nacht miteinander zu verbringen. „Er“ hat ein Gewehr dabei und macht Jagd auf Ratten, „Sie“ will auch einmal schießen. Worin sind wir authentisch? Beide beschließen, sich von allem zivilisatorischen Müll, der sie deformiert, entstellt und entfremdet, zu trennen …

Franz Kafka (1883-1924) war Angestellter der „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen“ in Prag. Seine Arbeit bezeichnete er selbst oft als bloßen „Brotberuf“. In der Nacht verfasste er seine literarischen Werke, deren schärfster Kritiker er selbst war. Wie kaum ein anderer stellte Kafka die Entfremdung des Menschen in den Mittelpunkt seines Schreibens.

Peter Turrini wurde 1944 als Sohn eines italienischen Einwanderers in Kärnten geboren. Er wechselt in seinen Stücken zwischen naturalistischer und surrealistischer Bühnensprache. Mit zeitkritischem Engagement verfasst er sowohl Sozialstücke, die im Arbeitermilieu angesiedelt sind („Die Minderleister“, 1988) als auch kulturkritische Spiele über Fiktion und Wirklichkeit („Alpenglühen“, 1993). „Rattenjagd“ wurde in seiner österreichischen Dialektfassung 1971 unter dem Titel „Rozznjogd“ am Wiener Volkstheater uraufgeführt.



Darsteller
Rotpeter (Ein Bericht für eine Akademie) Jörg F. Krüger
Sie (Rattenjagd) Katja Klemt
Er (Rattenjagd) Christian Holm
Nächste Vorstellungen
12. Oktober, 20:00 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal (Stadthalle) Karten
21. Oktober, 20:00 Uhr, Stralsund, Gustav-Adolf-Saal Karten