Kleiner Mann, was nun?
Dramatisierte Fassung von Uta Koschel nach dem Roman von Hans Fallada
In Kooperation mit Studierenden des Caspar-David-Friedrich-Instituts der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald unter der künstlerischen Leitung von Nils Dicaz
- Inszenierung: Uta Koschel
- Bühne und Kostüme: Tom Musch
- Musikalische Leitung: Andreas Kohl
- Dramaturgie: Catrin Darr
Wiederaufnahme
Johannes Pinneberg und Emma Mörschel treffen und verlieben sich in schwierigen Zeiten. Es ist das Jahr 1929, die Weltwirtschaftskrise frisst sich immer tiefer in die Gesellschaft hinein. Gebot der Stunde ist es, sich pragmatisch durchzuschlagen – wenn es sein muss, auch am Rande der Legalität und der Moral. Nur so lässt sich in manchen Fällen die drohende Entlassung abwenden oder ein bisschen Brennholz „organisieren“. Hannes und seine Frau Emma, genannt „Lämmchen“, halten mit Kräften an ihrem romantischen Traum fest: Komme, was da wolle, gemeinsam überstehen wir alles. Und ihr ganzer Stolz ist ihre Aufrichtigkeit. Im panikerfüllten politischen Klima der Krise rekrutieren Nationalsozialisten und Kommunisten mit teils demagogischen Mitteln Gefolgsleute aus dem Heer der Arbeitslosen. Gleichzeitig zelebrieren die, die noch nicht alles verloren haben, im Berlin der 30er Jahre einen amüsierwütigen Tanz auf dem Vulkan und stürzen sich in die Flitterträume der Varieté-Welt. Krasse soziale Gegensätze bringen die bürgerlichen Werte ins Wanken. Die kleine Familie Pinneberg gerät mit ihrem unermüdlichen Festhalten an der Rechtschaffenheit immer tiefer in die Abwärtsspirale hinein. Hält ihre Liebe dem wirtschaftlichen Druck stand? Und ist Pinnebergs Ringen um die Wahrung seiner persönlichen Würde ein allzu duldsames Ausharren des kleinen Mannes in Verhältnissen, die die Menschlichkeit erodieren lassen?
Hans Fallada (1893-1947) hieß eigentlich Rudolf Ditzen. Der gebürtige Greifswalder führte – seiner Alkohol- und Morphiumsucht geschuldet – ein wechselvolles Leben. 1920 publizierte er als 27-Jähriger seinen ersten Roman, weitere beachtete Bücher und eine Anstellung beim Rowohlt-Verlag in Berlin folgten. Mit dem 1932 veröffentlichten Roman „Kleiner Mann, was nun?“ erzielte er einen literarischen Welterfolg. Falladas Romane sind sachlich und im Reportage-Stil geschrieben. Oft griff er auf seine eigenen Lebenserfahrungen zurück und seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe kam ihm dabei zugute. Johannes R. Becher sagte 1947 über Hans Fallada: „Er verfügte über die breiteste Skala menschlicher Empfindung. Nichts Menschliches, nichts Unmenschliches ist ihm fremd geblieben. Die verborgensten Gefühle schlug er an, und nichts Unbewusstes fehlte auf seiner Tastatur, und das Außergewöhnliche und Problematische wusste er verständlich und zugänglich zu machen in einer schlichten, volkstümlichen Sprache. Seine Liebe aber galt dem einfachen Leben und den kleinen Leuten.“
| OZ Stralsund vom 6. April 2010 |
| OZ Kultur vom 8. März 2010 |
| Emma Mörschel, genannt Lämmchen | Eva-Maria Blumentrath |
| Johannes Pinneberg | Grian Duesberg |
| Krankenschwester, Marie Kleinholz, Sekretärin, Vermieterin, Der Brief, Frau Rusch | Elke Zeh |
| Dr. Sesam, Lauterbach, Dame, Spannfuß, Herr | Hannes Rittig |
| Mutter Mörschel, Jachmann, Ältere Dame | Markus Voigt |
| Vater Mörschel, Frau Scharrenhöfer, Kube, Lehmann, Herr, Puttbreese, Kunde, Schupo | Jan Bernhardt |
| Karl Mörschel, Schulz, Keßler, Dame, Vermieter, Herr | Lukas Goldbach |
| Kleinholz, Heilbutt, Kunde, Schlüter | Marco Bahr |
| Frau Kleinholz, Mia Pinneberg, Vermieterin, Angestellte | Gabriele M. Püttner |
| Musiker | Andreas Kohl |