Endstation Sehnsucht
Ballett von Ralf Dörnen (nach Tennessee Williams), Musik von Andrzej Panufnik
Nominiert für den Theaterpreis DER FAUST (2009) in der Kategorie Choreographie
- Musikalische Leitung: Per-Otto Johansson
- Choreographie und Inszenierung: Ralf Dörnen
- Bühne und Kostüme: Klaus Hellenstein
- Dramaturgie: Catrin Darr
Wiederaufnahme
Blanche DuBois, die aus einer ebenso kultivierten wie dekadenten Südstaatenfamilie stammt, befindet sich in einer schier ausweglosen Sackgasse. Als sie unmittelbar nach ihrer Hochzeit entdeckt, dass ihr innig geliebter Ehemann, Allan Grey, sich zu einem Mann hingezogen fühlt und mit diesem eine sexuelle Beziehung unterhält, ist sie entsetzt und zutiefst angewidert. Kurz darauf tötet Allan Grey sich selbst mit einer Schusswaffe. Als dann auch noch der einst stolze Familienbesitz, Belle Reve, verkauft werden muss, um die teuren Begräbniskosten der verstorbenen Eltern und Verwandten zu decken, gerät Blanches Leben gänzlich außer Kontrolle. Von nun an ist sie unbehaust, eine Getriebene durch die empfundene Mitschuld an dem Selbstmord ihres homosexuellen Mannes – und Promiskuität überschattet ihr Dasein. Für Blanche, die sich auf der einen Seite nach einem Mann sehnt, der ihr Schutz und Geborgenheit schenken sowie soziale Sicherheit gewährleisten kann, sind Männer auf der anderen Seite unerbittliche Gradmesser für körperliche Attraktivität und harte Verhandlungspartner, deren Zuwendung sie sich nur durch sexuelle Dienste erkaufen kann.
Ihre Vergangenheit hinter sich lassen wollend, kommt Blanche zu ihrer Schwester Stella nach New Orleans und trifft dort auf deren animalisch-derben Ehemann Stanley Kowalski. Von seiner Schwägerin unverhohlen verachtet, fürchtet Stanley, dass diese einen Keil zwischen ihn und Stella treiben wird. Als es dazu kommt, beginnt er im Gegenzug, Blanches dunkle Vergangenheit aufzudecken, und vereitelt das sich anbahnende Verhältnis zwischen ihr und seinem besten Freund Mitch. Das Kräftemessen der ungleichen Protagonisten eskaliert und mündet in einer Katastrophe.
Tennessee Williams (1911-1983), Meister des psychologischen Realismus, beschreibt in seinem Drama das Aufeinanderprallen zweier Welten, die unterschiedlicher nicht sein können: Illusion versus Wirklichkeit, weibliche Poesie versus männliche Härte, Sehnsucht versus Trieb.
Elia Kazan hatte 1947 mit Erfolg Tennessee Williams’ (1911-1983) „Endstation Sehnsucht“ in New York für das Theater inszeniert. Bereits 1951 brachte er das Stück auch auf die Kinoleinwand – und es waren Marlon Brando (Stanley Kowalski), Kim Hunter (Stella Kowalski) und Karl Malden (Harold „Mitch“ Mitchell), die sich bereit erklärten, auch für den Film ihre Rollen zu spielen, die sie erfolgreich auf der Bühne verkörpert hatten. Nur die Rolle der Blanche DuBois wurde neu mit Vivien Leigh besetzt.
Das erste auf diesem Stoff basierende Ballett feierte 1952 mit einer Choreographie von Valerie Bettis in Montreal Premiere. Diese Ballettfassung wurde weltweit präsentiert; die bekannteste Einstudierung war die des Dance Theatre of Harlem (1981). Auch die in Deutschland wirkenden Choreographen John Neumeier (1983) und Ralf Rossa (2006) wählten „Endstation Sehnsucht“ als Stoff. Und der Dirigent und Komponist Sir André Previn trat 1998 mit der Uraufführung seiner Oper „A Streetcar Named Desire“ („Endstation Sehnsucht“), basierend auf dem Libretto von Philip Littell, an der San Francisco Opera mit Renée Fleming als Blanche DuBois ans Licht der Öffentlichkeit.
| Blanche DuBois | Virginia Segarra Vidal |
| Stella Kowalski | Paloma Figueroa |
| Stanley Kowalski | Bendik Mildestveit |
| Harold Mitchell (Mitch) | Alexander Simpkins |
| Allan Grey, Blumenverkäufer, Zeitungsjunge, Arzt | Simon Kranz |
| Allan Greys Liebhaber | N.N. |
| Krankenschwester | Ayako Nomura |
| Soldaten im Flamingo-Hotel | Emmanuel Roy, André Luiz Costa, N.N. |
| Einwohner von New Orleans, Hochzeitsgäste von Belle Reve | Ensemble |
| Philharmonisches Orchester Vorpommern |