Fontane Lesung: " Unterm Birnbaum...

.... ´s kommt doch alles an die Sonnen" Es liest: Mechtild Hobl-Friedrich

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Aber nach der ersten literarischen, im Paris des 17. Jahrhundert angesiedelten  Kriminal-Novelle, dem „Fräulein von Scuderi“ von E. T. A. Hoffmann (im November 1818 erschienen), gilt die in engem regionalem Umfeld angesiedelte Erzählung „Unterm Birnbaum“ von Theodor Fontane als eine wichtige Fortschreibung dieses Genres. Vielleicht ist es nicht Fontanes bedeutendstes Werk, aber die 1885 erschienene Erzählung gehört zweifellos zu den bislang unterschätzten Kriminal-Romanen des 19. Jahrhunderts und hat zahlreiche spätere Kriminalautoren und deren Erzählweisen beeinflusst.

„Unterm Birnbaum“ gehörte lange Zeit zu Fontanes kaum beachteten Alterswerken, Anlass genug, des für die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts so wichtigen und bedeutenden deutschsprachigen Schriftstellers und dessen 200. Geburtstag, sich diesem Text noch einmal zu widmen.

Auf verblüffende Weise verknüpft hier Fontane das Kriminalistische mit den Themen Glaube und Aberglaube, Bildung und gesellschaftliche Anmaßung, mit zeitgeschichtlichen Ereignissen, Dorfklatsch und Gespensterfurcht. Und in der Darstellung der Reaktionen der Dorfbewohner auf das Bekanntwerden eines Mordverdachtes übt Fontane deutliche Gesellschaftskritik.

Der zeitgenössische Erfolg dieses Werkes war gering, was daran liegen mochte, dass das Lesepublikum des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein „Arme-Leute-Milieu“ im Dorf Tschechin (einem deutschen Dorf im Oderbruch, der Ortschaft Letschin nachempfunden, in der Fontanes Vater viele Jahre als Apotheker tätig war) als kaum attraktiv ansehen mochte. Inzwischen hat man jedoch erkannt, dass Fontane „mit sicherer Hand“ alles eingelöst hat, was eine gute Kriminalgeschichte literarisch benötigt.

Mechtild Hobl-Friedrich lässt in ihrer Lesung die um 1830 im Oderbruch spielenden Ereignisse wieder lebendig werden.