Text

Gott Nijinsky

von Piotr Tomaszuk
Wierszalin Theatre

Termine

Das Schauspiel basiert auf den Tagebüchern Nijinskys, die er innerhalb von sechs Wochen während eines Aufenthalts in der Schweiz schrieb; bevor er in die Psychiatrie eingewiesen wurde.  „Diaghilev ist tot …“, lauten die ersten Worte, die in „Gott Nijinsky“ gesprochen werden. In der zerfallenen Kapelle der psychiatrischen Klinik in Kreutzlingen beginnt ein unübliches Totengedenken. Vaclav Nijinsky feiert ein großes Requiem für seinen Unterstützer und Geliebten. Ihm wurde gesagt, dass der Direktor des berühmten russischen Balletts, Sergei Diaghilev, gerade in Venedig verstarb. Nijinsky hatte ihm versprochen: „Serge, ich werde auf deinem Grab tanzen, wenn der Tag gekommen ist.“ Also tanzt er und segnet seine Anhänger, eine Gruppe von Patienten der Psychiatrie, die ihm bei diesem erstaunlichen Ritual beiwohnen.

Während des fesselnden Gottesdienstes beginnt Nijinsky, mehrere seiner Ballettparts zu tanzen: Petruschka, „Afternoon of a Faun“ und „The Rite of Spring“. Es ist seine letzte Rolle und sein letztes Geständnis – während er tiefer und tiefer im Wahnsinn versinkt. In einem Akt totaler Enthüllung und Buße, erkennen wir einen Eindringling, einen prahlerischen Schauspieler, einen Schamanen und einen Priester, der im Stande ist, seine eigene Kreuzigung zu erschaffen.

„Gott Nijinsky“ lässt einen nicht unberührt – es ist eine brillant gespielte Geschichte über einen überaus außergewöhnlichen Tänzer und das tragische Ende seiner Karriere.

 

„Gott will dass ich mein Leben beschreibe.
Ich denke es ist ein gutes Leben. Ich sagte gut,
aber dachte an etwas anderes.
Ich habe Angst mein Leben ist nicht gut.“

                                   Vaslav Nijinsky

PRESSESTIMME

Idee mit Zukunft: Theater-Hanse mit Stralsund als Festivalstadt

Theaterschaffende aus den Ostseeanrainerländern trafen sich erstmals am Sund.

 

Stralsund. Die Stadt am Sund soll ein Theaterfestival bekommen. Darum ging es am Samstag im Rathaus. Vielleicht wird es nun nicht gleich so eins wie in Salzburg, wo seit fast 100 Jahren die Crème de la Crème aus Musiktheater und Schauspiel aufläuft. Aber man weiß ja nie. Immerhin ist Stralsund Weltkulturerbe. Und auch wenn die Stadt auf keine Festivaltradition aufbauen kann, wie Mitinitiator Harald Müller, Chef des Verlags „Theater der Zeit“ aus Berlin, feststellt, lockte schon die Idee Theaterschaffende aus dem gesamten Ostseeraum zu einem Symposium in die Stadt – aus Litauen, Estland, Russland, Polen, Schweden und Norwegen. Da waren Übersetzter gefragt, denn es sollte diskutiert werden. Zum Beispiel über die Frage: „Brauchen wir das?“ Und die Antwort lautete: „Ja“. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) fragte sich, wieso nicht schon vorher jemand darauf gekommen sei. So naheliegend sei die Idee der „Theater-Hanse“ für diese Stadt. Einen Eindruck, wie das sein könnte, hatte am Vorabend schon das Theater Wierszalin aus Polen mit dem Stück „Gott Nijinski“ gegeben. Das war polnisches Theater mit deutschen Obertiteln. So könnte es aussehen. Wenn es nach den Initiatoren geht. Der Kritiker und Publizist Dr. Thomas Irmer ging in die Antike zurück. Theaterfestivals gibt es schon, so lange es Theater überhaupt gibt, sagte er. Der Rektor der Stralsunder Hochschule, Dr. Matthias Straetling, referierte in seiner Eigenschaft als Kulturökonom über Umwegrentabilität, also über die Frage, wie viel Geld so ein Festival der Stadt durch Besucher bringen könnte? Denn teuer wird das auf jeden Fall und wenn schon das Land spart, dann geht es hier um mindestens eine Million Euro Bundesgelder. Straetling stellte die Frage: „Wollen Sie schön oder reich sein?“ Die Antwort kam zwar spät, aber deutlich von Dirk Löschner, Intendant des Theaters Vorpommern: „Ganz klar – schön!“ Denn es ginge um Qualität. Um die unglaubliche Vielfalt der Theaterszene rund um die Ostsee. Stralsund solle mit diesem Festival ein Fenster sein, von dem aus man hinübersehen könne. Die bemerkenswertesten Produktionen aus Schauspiel, Tanz, Musiktheater und Puppenspiel aus den Ostseeanrainerstaaten und Norwegen sollten eingeladen werden. Die schwedische Regisseurin Jenny Nörbeck ging auf Klischees ein, mit denen etwa Schweden auf Osteuropa guckt. Sie interessierte sich für den Blick, den andere Länder von außen auf Schweden haben. Der sich, wie auch Intendant Dirk Löschner sagte, durch Theater zeigen kann. „Theaterschaffende sind Seismographen der Gesellschaft“, sagte er. „Wir sind hier nicht klein in Vorpommern. Wir sind im Zentrum Europas!“ Das ist der Grundgedanke, der dieser „Theater-Hanse“ innewohnt. Dass die Hanse vor allem ein Netzwerk war und sich im Ostseeraum als sinnvolle Gemeinschafts-Organisation bewährte, beflügelte die Teilnehmer dieses ersten Symposiums. Ein Netzwerk unter Theatern in Skandinavien und den osteuropäischen Ländern. Mit Stralsund als Festival-Stadt. Der Gedanke ist nähergerückt. Das erste Festival soll vielleicht im Jahr 2019 starten. Aber das Theater-Netzwerk als Instanz gegen Theaterabbau und Provinzialisierung, das soll es schon vorher geben. Im nächsten Jahr soll es ein weiteres Treffen geben.

Ostsee-Zeitung, Juliane Voigt