Die Träume des sinnreichen Junkers Don Quijote de la Mancha – Ritter von der traurigen Gestalt (Uraufführung)

Ballett von Ralf Dörnen nach Motiven von Miguel de Cervantes Saavedra Musik von Stephan Marc Schneider (Auftragskomposition des Theaters Vorpommern) Libretto von Stefan Ulrich

Termine

Mit Don Quijote schuf Miguel de Cervantes Saavedra eine Figur, die zum Inbegriff des idealistischen, sympathischen, aber immer wieder an der Unbarmherzigkeit der Menschen scheiternden Weltverbesserers wurde. Auch Ralf Dörnen stellt diesen Aspekt der Figur Don Quijote in den Mittelpunkt seines Balletts und erzählt von einem alternden Büchernarren, der sich über die Lektüre von Ritterromanen in andere Realitäten hinein träumt und schließlich beginnt, diese zu leben. In seinen Abenteuern sieht sich Don Quijote stets als heldenhafter Kämpfer für das Gute und auch die Tatsache, dass er von seinen verständnislosen Mitmenschen regelmäßig ausgelacht wird und Prügel bezieht, mindert seinen Einsatz nicht. Anhand von vier Episoden aus Cervantes 1200-seitigem Epos entführt das BallettVorpommern Sie in Don Quijotes Welt, in der Wirte zu Kastellanen, Bauernmädchen zu Edelfräulein und Windmühlen zu Riesen werden und jedes Abenteuer vorm heimischen Bücherregal endet, wo es begonnen hat...

 

Das Theater Vorpommern dankt den Sponsoren der Inszenierung

 

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PRESSESTIMMEN

Im Banne berührender Illusionen

Das Ballett „Don Quijote“ wurde bei der Premiere in Greifswald bejubelt.


Die Begeisterung war riesig, zusätzlicher „Zündstoff“ kaum vonnöten! Aber als während des finalen Premieren-Jubels in Greifswalds Theater großflächig der Hinweis auf 20 Jahre Greifswalder Ballett unter Ralf Dörnen vom Schnürboden herabsank, gab es gar kein Halten mehr. Denn es ist eine lange und alte Liebe, die die Greifswalder mit „ihrem“ Ballett und dem Ballettdirektor verbindet. Nun hat der, ganz am Ende der Spielzeit, noch eine Uraufführung choreographiert und inszeniert: Das Ballett „Die Träume des sinnreichen Junkers Don Quijote de la Mancha – Ritter von der traurigen Gestalt“ nach Motiven von Miguel de Cervantes Saavedra. Das Libretto dieses Auftragswerkes des Theaters Vorpommern stammt von Stefan Ulrich, die Musik schrieb Stephan Marc Schneider.

Dörnen sieht das Werk als Geschichte eines Mannes, der versucht, die Welt zu verbessern und Menschen vor Schaden zu bewahren, dabei unablässig scheitert und sich dennoch treu bleibt. Dass ist möglicherweise mehr, als der zweifellos doppelbödige Cervantes hergibt; zumindest in den ausgewählten Szenen. Denn die leben natürlich bühnenattraktiv von den offensichtlich lebensgefährlichen Folgen des Lesens zu vieler (Ritter-)Romane: dem völligen Realitätsverlust Don Quijotes. Dass es nach den Turbulenzen einer etwas merkwürdig terminierten Zeitreise in die spanische Mancha (2020), nach Venedig (Commedia dell‘ Arte, 1740), Paris (Moulin Rouge, 1897), Köln (Karneval, 1920) und New York (Windmühlen, 2035) zu einem schmerzhaften Erkenntnisprozess kommt und der Held tragisch endet, ist in Dörnens Fassung aber ebenso anregend, wie die auf Gegenwärtiges wie Künftiges zielende, Smartphone- wie Lesegesellschaft einbeziehende Etablierung zweier Rahmenszenen; inbegriffen das Vermeiden jeglicher Überzeichnungen im Handeln der Protagonisten. Dies alles bringt Dörnens Ensemble gekonnt bewegungsintensiv, spielfreudig und glaubwürdig auf die meist von Büchertürmen und farbenfrohen Kostümen bestimmte Bühne (Klaus Hellenstein a. G.), allen voran die Solisten Miguel Rodriguez (Sancho Panza), Isabella Heymann (Dulcinea), Emilia Lakic (Teresa), Stefano Fossat (Traumritter), vor allem aber der Gast William Parton als Don Quijote. Er ist Klammer des Ganzen, Protagonist einer sehr individuellen Botschaft und in der naiv ernsthaft gelebten, auf den Tanz weitgehend verzichtenden Unzeitgemäßheit seiner Überzeugungen und Handlungen sehr berührend! Werkbestimmend ist zudem eine Musik, die in strukturell wie stilistisch vielerlei Gestalt zwar vorwiegend als direkter Impulsgeber für tänzerisch sehr unterschiedliche Anforderungen fungiert, gleichzeitig aber auch umfangreiche Bühnen- und Instrumentationserfahrungen ihres Autors nutzt, um Situationen atmosphärisch individueller zu charakterisieren. Sie vermag zudem gefühlsbetonten Ausdrucksbereichen starke, gelegentlich gar sinfonische Expressivität zu verleihen. Insgesamt eine Partitur von offensichtlicher Bühneneignung, die bei Vorpommerns Philharmonikern und Generalmusikdirektor Florian Csizmadia in besten Händen lag. In Verbindung mit einer so prägnanten wie ausdrucksintensiven tänzerischen Körpersprache garantierte nicht zuletzt sie die wieder bemerkenswerte Faszination einer Ballettaufführung.

von Ekkehard Ochs, Ostsee-Zeitung