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Fotos: MuTphoto

Eine einzige strömende und überströmende Existenz. (Stefan Zweig)

Casanova

(K)ein biographisches Ballett
von Ralf Dörnen
Musik von W. A. Mozart u. a.

Termine

Er ist Priester, Fähnrich, Violinist, Spitzel und Schriftsteller. Er lebt in Paris, Mailand, London, Madrid oder St. Petersburg und verkehrt mit Papst Benedikt XIV., Friedrich dem Großen und Voltaire. Er weiß die Gesellschaft ebenso zu irritieren wie zu faszinieren. Doch bei aller steten Verwandlung ist er doch eines immer und unverkennbar: Lebemann, Frauenheld und Genussmensch. Der venezianische Schauspielersohn Giacomo Casanova gehört zweifellos zu den schillerndsten Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Wie kein anderer pflegt er das Carpe Diem und flieht vor der Langeweile in den Rausch des Augenblicks. Jedes Abenteuer ist ihm gut genug, solange es die Aussicht auf ein nächstes gibt. Sein Leben ist ein rasantes Lustspiel, seine Bühne die ganze Welt. Erst als sich der Schatten des Alters schleichend über seinen Körper legt, begegnet Casanova dem schmerzhaften Gefühl der Ruhe und damit der wohl größten Herausforderung seines Lebens. Nichts hält ihn noch im Diesseits außer die Erinnerung an seine einstige Blütezeit. Und so beginnt er 64-jährig mit der Niederschrift seiner Memoiren und schreitet in nicht weniger als 5000 Seiten noch einmal durch die eigene exzessive Vergangenheit. Das Ergebnis ist nicht nur eine ganz private und ungehemmte Chronique Erotique, sondern auch ein unübertroffen detailliertes Portrait seiner Zeit. Das BallettVorpommern packt die Koffer und geht mit Casanova auf Reisen: Einmal quer durch das aufklärerische, vorrevolutionäre Europa folgt es den Spuren des ewig rastlosen und freiheitsliebenden Bonvivant und spürt seinem überbordenden Geist tänzerisch nach.

 

Produktionssponsor Stadtwerke Greifswald

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PRESSESTIMME

Bilder eines rasanten Lebens auf der Überholspur

Michael Meyer

Ralf Dörnen inszeniert am Theater Vorpommern einen lässigen und rasenden Casanova

Allein dieses eine zarte, beklemmende Bild. Dafür müsste man Ralf Dörnen und seinen Leib- und Magen-Bühnenbildner Klaus Hellenstein knutschen. Der Kerker, die Bleikammer im Maisonnette Venedigs, unter dem Dach des Dogenpalastes, in die Casanova am 26. Juli 1755 wegen Betrugs und Gotteslästerung geworfen wurde - so der Vorwurf, weil er sich in die Kaste der Adligen geschlichen hatte - ist ein einfaches Rechteck aus Licht. Neun Quadratmeter eng.

Die Zuschauer im ausverkauften Stralsunder Theater sehen dem verzweifelten Kampf des eingekerkerten Lebemannes zu, dem Ex-Mutter (Zoe Ashe-Browne) und Ex-Geliebte (Laura Cristea) - beide haben ihn verlassen - im Wahn erscheinen und Zelle und Raum durchschwirren, während er seinen Lichtkerker nicht verlassen kann. Tanz wird zur Pantomime.

Es ist eines der großen, aber äußerst ruhigen Bilder der Premiere des Balletts "Casanova. (K)eine Biographie" ... Dörnen interessiert nicht nur die vordergründige Ebene, wie sie sonst bei Casanova geboten wird: Erotik, Nacktheit, ausschweifendes Leben. Er nähert sich dem gesamten Menschen in seiner Traumatisierung vom Verlust der Mutter und der großen Liebe. Bei seiner Suche nach Anerkennung, in seinen Fluchten und seiner Zerrissenheit einer ebenso zerrissenen Gesellschaft ...

Die venezianische Bühne eine Drehscheibe, sich drehende Goldfolien als Raumteiler, Schriftrollen an den Wänden. Das ist zugleich spartanisch, schön und ausschweifend und bietet auf engstem Raum viele Möglichkeiten.

... Mit diesem Ballett stellt Dörnen mal wieder unter Beweis, was John Neumeier, sein Lehrmeister und Direktor des Hamburg Balletts, ihm 2009 zur Verleihung der Greifswalder Rubenow-Medaille ins Stammbuch gesprochen hat: " Ralf, in dir sind Mensch und Künstler vereint."

Ostseezeitung, 1. Februar 2016